Warum wir viel Geld für nichts ausgeben!

Das Internet ist unterm Hammer. Das World Wide Web, kurz www. wurde gerade für 4,8 Millionen Dollar versteigert. Also jetzt nicht gleich das ganze Netz – sondern der 1989 von Tim Berner-Lee geschriebene Quellcode mit Unterschrift. Als NFT. NFT ist übrigens kein Akronym „Nur Für Trottel“, sondern steht für Non Fungible Token, zu gutdeutsch „nicht auswechselbare Wertmarke“ oder „Echtheitszertifikat“.

Man besitzt somit eine digitale Kopie, die sich nicht von anderen digitalen Kopien unterscheidet – hat aber das Blockchain-Echtheitszertifikat… Also doch „Nur Für Trottel“ möchte man denken, aber ganz so einfach ist es nicht: Jetzt lassen sich Original und Fälschung sehr gut auseinanderhalten. Hätte jeder Furz ein NFT, wüsste man, wer im vollbesetzten Fahrstuhl die bösen Blicke verdient…

NFTs können daher für Künstler sehr wertvoll sein. Wenn da nicht der klitzekleine Pferdefuß der Klimabilanz wäre. NFTs sind wie viele der mit ihnen verwandten Kryptowährungen dermaßen energiehungrig, dass man bald fragen wird: Hat dein Smartphone noch Strom – oder besitzt du bereits ein NFT?

Der Hype ist in vollem Gange. Der Künstler „Beeple“ verkaufte das Echtheitszertifikat einer digitalen Foto-Kollage für 69 Millionen Dollar. Es ist das geilste Geschäft der Welt: Du hast es – du verkaufst es – du hast es immer noch!

Je furioser wir uns digitalisieren, desto mehr kaufen und verkaufen wir merkwürdige Kombinationen von Einsen und Nullen. Wo vorher noch ein haptischer Gegenstand, ist jetzt nur noch ein Software-Code. „Viel Lärm um nichts“, hätte Shakespeare gesagt. Dieses Prinzip erhält jetzt auch in der „realen“ Welt Einzug: Der italienische Künstler Salvatore Garau verkaufte gerade eine unsichtbare Skulptur für 15.000 Euro. Mit der Bedingung, dass der Käufer eine Ausstellungsfläche von 1,5 Quadratmetern bereitstellt. Die Skulptur ist jedoch immateriell – also nicht vorhanden. Endlich erhält der „Leerverkauf“ auch in der Kunst Einzug!