Warum wir gern Doktor spielen!

Doktorspielchen waren früher bei uns Kindern beliebt und von Eltern gefürchtet. Trugen sie doch dazu bei, dass Kinder sich mit Körperöffnungen beschäftigten, die den Aussagen Erwachsener zufolge entweder „Pfui“ oder „Igitt“ und meisten beides waren. Diese Spiele hinterließen als Nebenwirkung den Eindruck, dass wirklich jede*r mit einem selbstgebastelten Stethoskop es relativ leicht zum Doktor bringen könnte.

Seit diversen Plagiatsaffären, deren jüngste die von Franziska Giffey ist, wissen wir: das Stethoskop ist nicht nötig. Ein Doktortitel kann (oder konnte) eben mal nebenbei dahingeschlampt werden. Das ist für die Karriere in Berufen, wo es auf den Titel nicht so ankommt, etwa Bauarbeiter oder Spargelstecher und – ja – auch Kabarettist, kein Problem. Sogar in der Sexarbeit kommt frau (seltener man) mit Plagiaten (vielleicht sogar besonders) gut durch, verdient aber trotzdem mehr, wenn Doktorspielchen aus dem „effeff“ beherrscht werden…

In der Politik kommt es auf den Titel auch nicht so an – da wird er aber dummerweise überprüft. Franziska Giffey ist wahrscheinlich aufgrund ihrer 27 Plagiate ein Platz in der „Guttenberg Hall of Shame“ sicher. Wobei andererseits natürlich argumentiert werden kann, dass gerade in einer Doktorarbeit über Politik eine Vielzahl von Lügen eine gewisse Redlichkeit vermittelt…

Überhaupt kommt neuerdings auch in progressiven Kreisen ein gewisser mentaler Mut zur Lücke auf: Olaf Scholz kann sich an nix mehr erinnern, was irgendwie mit Cum Ex oder Wirecard zu tun hat, Annalena Baerbock vergisst, ihr Weihnachtsgeld anzumelden, und Franziska Giffey übersieht die Anführungszeichen. Und das auch noch im Wahlkampf! Vielleicht sind Linke einfach die Kassenpatienten der Politik. Das Doktorspiel geht dann so: 16 Jahre warten auf die Macht, um dann in wenigen Augenblicken abgefertigt zu werden…