Warum die Autos weinen!

Wir haben Corona-Krise, Lockdown, Berufsverbote, Arbeitslosigkeit, Hamsterkäufe, Wahldramen in den USA – kurz: eine Menge ziemlich unangenehmer Situationen. Jetzt ist allerdings noch eine weitere dazu gekommen. Klagt jedenfalls die Präsidentin des Verbandes der Automobilbranche: Pop-Up Radwege! Diese improvisierten, kurzfristig errichteten Radwege führen nämlich Hildegard Müller zufolge vor allem zum Verkehrskollaps.

Nun muss man wissen, dass die Fähigkeit zum „lauten Wehklagen“ eines der Haupteinstellungskriterien in einem Lobbyisten Verband ist. Vermutlich nehmen die nur Leute, die knapp an einer Karriere als dramatischer Sopran vorbei schrammten. Oder solche, die eigentlich Klageweib werden wollten, aber feststellten, dass die Spitzenpositionen in der AfD schon von meist männlichen Klageweibern besetzt sind…

Jetzt also das große, dramatische Lied vom Verkehrskollaps. Der geneigte Leser wird sofort an endlose Staus, Abgas-Verschmutzung, kompletten Stillstand und haufenweis genervte Verkehrsteilnehmer denken. Also an einen ganz normalen Werktag in Berlin. Und der soll jetzt noch einmal zugespitzt werden, indem Fahrradfahrern noch mehr Raum gegeben wird?

Nun kann man sicher einiges gegen Fahrradfahrer sagen: Es gibt unter ihnen durchaus solche, die ohne weiteres als Selbstmord-Attentäter eine Karriere machen könnten. Und deren Aggressionspotential das eines Gorillas auf einem schlechten Anabolika-Trip durchaus in den Schatten stellt. Aber dass mehr Fahrradfahrer und mehr Raum für Radwege zu einem „Verkehrskollaps“ führen, ist so schlüssig wie „mehr Sex führt zu einer Geburtenschwemme“ (dann müssten Porno-Darsteller ja die kinderreichsten Familien haben).

Lautes Wehklagen übertüncht vor allem eins: das Auto ist eine Technologie, die dem Untergang geweiht ist oder sich stark wandeln wird. Pop-Up Radwege spielen da in etwa die gleiche Rolle wie Donald Trump in einem Schweige-Kloster – nämlich keine!