Warum wir ohne Arbeit gut leben können!

„Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können,“ sagte Friedrich Merz am Wochenende über die Verlängerung der Kurzarbeit in der Coronakrise. „Ah“, dachte ich bei mir, „da spricht der Vollblutpolitiker! Einer, der weiß, wie schnell man sich daran gewöhnt, ohne Arbeit zu leben.“ Obwohl Merz das natürlich vehement dementieren wird, und mir dann den berechtigten Vorwurf macht, ich hätte eben keine Ahnung, wie anstrengend es sei, so ein Privatflugzeug vollzutanken…

Komischerweise ist die Angst, dass man sich an ein Leben ohne Arbeit gewöhnt, nicht so wahnsinnig weit verbreitet. Die wenigsten Menschen denken auf dem Sterbebett: „Ich hab’s voll versemmelt – ich hätte mit mehr Arbeit leben müssen…!“

Es sind diese Art von Merz-Sprüchen, die beim Publikum den Verdacht wecken, sein Bewerbungsgespräch beim Finanzriesen „Blackrock“ sei etwa so verlaufen: „Was können Sie denn so, Herr Merz?“ „Äh, nix…“ „Tja, Sie haben Glück, es ist gerade ein Aufsichtsratsposten frei geworden…!“

Es gibt eine ganze Reihe von Wirtschaftszweigen, die daran gewöhnt sind, ohne Arbeit zu leben, etwa Banken… Um diesem Eindruck etwas entgegen zu setzen, sind einige von ihnen sehr aktiv geworden: Wie ein grade veröffentlichtes Datenleck belegt, haben diverse Großbanken für Groß-Kriminelle im großen Stil Geldwäsche organisiert – Groß und Groß gesellt sich scheinbar gern. Auch die Deutsche Bank war mit von der Partie, vermutlich aber nur, um sich noch mal „Groß“ zu fühlen, bevor sie wieder aufs Kerngeschäft reduziert wird – nämlich gewöhnungsgemäß ohne Arbeit zu leben.

Dabei wird Deutschland maßgeblich mitgestaltet von Menschen, die schon ihr ganzes Leben ohne Arbeit leben: reiche Erben! Da wird dann auch klar, was etwa Friedrich Merz von einem Kurzarbeiter unterscheidet – der Kurzarbeiter hat schon mal gearbeitet…