Warum wir das Theater nicht mehr verlassen!

Im antiken Griechenland war es Pflicht, Theatervorstellungen zu besuchen, weil dort in Ermangelung des Internets dem Volk die gegenwärtige Politik erklärt wurde. Wer nicht kommen wollte, dem drohten Soldaten ermutigende Schläge an. Die Demokratie dort hielt viele Jahrhunderte.

Die deutsche Demokratie zeigt schon bei der ersten Pandemie leichte Ermüdungserscheinungen – was vielleicht auch mit ihrer Einstellung zum Theater zu tun hat. Oder der Einstellung des Theaters, um genau zu sein. “To Be or Not to Be”, heißt es bei Shakespeare, und für viele Theater ist das jetzt eine ganz reale Frage sein. Da haben sie nun wie auch die Gastronomie in Hygiene-Maßnahmen investiert, Belüftungskonzepte erklügelt, Plätze reduziert – vor dem übermorgen beginnenden „Lockdown“ hat es sie nicht bewahrt.

Dabei gibt es keine klar nachgewiesenen Infektionen im Theater. Das Publikum ist dermaßen masken-diszipliniert, dass die S-Bahn neidische Weinkrämpfe kriegen könnte. Laut einem Großversuchskonzert mit Tim Bendzko und mehr als 1000 Teilnehmern sind Großveranstaltungen mit Hygienekonzept sicherer als Großhochzeiten – oder häusliche Partys.

Da fast alle Infektionen zurzeit im „häuslichen Umfeld“ stattfinden, muss man zum gegenteiligen Schluss der gegenwärtigen Politik kommen: Es gilt, das „häusliche Umfeld“ möglichst zu vermeiden! Daher hier nun folgender revolutionärer Vorschlag: Alle gehen ins Theater! Und bleiben dort bis Neujahr – Sie werden köstlich unterhalten, bleiben Corona-frei und müssen sich nicht um das nervige Weihnachten oder infizierte Verwandte kümmern. Die Gastronomie bereitet für die zahlreichen Pausen leckere Speisen vor, die Corona-gerecht eingenommen werden. Die Menschen lachen gemeinsam, weinen gemeinsam, lassen sich berühren, ohne dabei körperlichen Kontakt aufzunehmen. Ein neuer Zusammenhalt entsteht, innergesellschaftliche Gräben werden überwunden, und das Neue Jahr beginnt Corona-frei!