Autor: Pia Ratajczak

Die Verschwörung, die keiner ahnt!

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern – oder die Kanzlerin aus ihrem Amt: Die Corona-Maßnahmen zeigen noch nicht genug Wirkung. Während die einen nun die ganz große Corona-Diktatur befürchten, fordern die anderen eine härtere Gangart. Ginge es nach Markus Söder, trügen alle immer eine Maske, auch auf einsamen Waldwanderungen – möglichst in Bayernfarben.

Verschwörungstheorien blühen – aber die eine, ganz große Verschwörung wird übersehen: Corona ist die ultimative buddhistische Bekehrung der Gesellschaft! Allen wird die Rückkehr in die heimische Zelle empfohlen, jedes gesprochene Wort ist ein Aerosol-Verbrechen, jeglicher überflüssige Kontakt muss eingestellt werden – und welcher Kontakt ist nicht überflüssig?

Ein „ganz harter Winter“ kommt da laut Merkel auf uns zu – Werbe-Videos im Veteranen-Stil zeigen jetzt schon Greise, die in 50 Jahren stolz ihren Enkeln erzählen, dass sie Anno 2020 Helden wurden, indem sie den ganzen Winter „gar nichts“ machten und monatelang „auf dem Sofa chillten“. Slogans wie „Nur durch Einkehr ist man wer“ oder „Gesundheit lässt sich gut erhalten, wenn alle stets die Schnauze halten“ werden bald in aller Munde sein.

Stille, Kontakt nur mit den eigenen Gedanken, Begierden aushalten, Inaktivität – woher kennt man das? Genau: vom Meditations-Wochenende. Nur, dass das Wochenende jetzt bald ein ganzes Jahr dauert. Corona kann so eine erleuchtete Menschheit hinterlassen, die erkennt, dass ein jeder und eine jede nur ganz wenig benötigt. Die Seligkeit, welche buddhistische Mönche erst nach Jahren der Übung erlangen, könnten die meisten von uns nun in wenigen Monaten erreichen – aber, wer will das schon?

So werden denn weiter YouTube und das Netflix-Abo strapaziert in der Hoffnung, nur keine Langeweile aufkommen zu lassen. Um das Nichtstun auf jeden Fall zu vermeiden…

Warum Berliner Luft reich macht!

Kennen Sie den: „Was können Sie denn so?“ fragt die Personalabteilung den Bewerber. „Nix“. „Tut uns leid, in der Chefetage sind bereits alle Positionen besetzt…“ Fern sei mir, solche Klischees auf die Chefetagen der städtischen Betriebe anzuwenden, denn zumindest eine Kunst wird dort gut beherrscht: die der Gehaltsverhandlung! Während die Gewinne der Berliner Beteiligungsgesellschaften 2019 im Vergleich zum Vorjahr um etwa ein Drittel sanken, stiegen die Chef-Gehälter auf Rekordniveau.

In der sogenannten „freien“ Wirtschaft redet man sich in solchen Fällen mit „die Manager tragen schließlich auch das Risiko“ raus – eine These, die meistens soviel Wahrheitsgehalt hat wie ein Tweet von Donald Trump (diesen Vergleich wird man nicht mehr allzu lange ziehen können, in ein paar Monaten ist der Mann vergessen und all die schönen Allegorien mit ihm; wenn man mich fragt, was ich an Trump vermissen werde, dann das…). Für landeseigene Firmen gilt das schon mal überhaupt nicht – sie sind meistens Monopol-Betriebe und sollen öffentliche Versorgung sichern. Das Risiko ist in etwa so hoch wie das eines Schiffbruchs in der Badewanne. Oder wie das einer Steuerzahlung von Donald Trump… (Sie merken: ich werde es solange wie möglich melken!).

Während die Umsätze der landeseigenen Firmen nur um 2,9 Prozent zulegten und die Löhne der Berliner 2019 um 3,9 Prozent, stiegen die Gehälter der landeseigenen Chefetagen um sagenhafte 7,5 Prozent! Vielleicht hat es etwas mit Physik zu tun – oben ist die Luft bekanntlich dünner, da gibt es dann natürlich auch weniger Widerstand… Und die „Berliner Luft“ besonders über dem „Willy-ohne-Brand(t)-Schutz“-„Fluch-Hafen“ ist ja fast schon Weltkulturerbe – sie muss so dünn gewesen sein, dass eine ganze Reihe minderbegabter Bau-Ausführender jede Menge erben konnten. Wenn nicht Welt-Kultur dann zumindest Geld…

Oder aber es gilt in landeseigenen Betrieben das Prinzip: Bezahlt wird nach Leistung – aber davon können viele Chefs einfach nicht leben!

Warum jetzt alles gut wird!

Schockschwerenot: Trump übertrumpft und abgewählt! Ein Corona-Impfstoff ist zum Greifen nah – entwickelt von Deutschen mit Migrationshintergrund! Die Brexit-Einigung in greifbarer Nähe! So eine geballte Ladung guter Nachrichten ist man in diesem rabenschwarzen Jahr gar nicht mehr gewöhnt – und man fragt sich, ob es überhaupt zulässig ist, uns Deutschen so viel positiven Stress auf einen Schlag zuzumuten? Corona können wir zur Not überleben, aber gute Laune?

Daher müssen wir jetzt dringend trainieren. Die nächsten Zeilen sind nichts für schwache Nerven und zarte Gemüter – hier sind die guten Nachrichten für den Rest des Jahres: „Brexit-Deal unter Dach und Fach – alles bleibt, wie es war, unsere britischen Freunde nennen es nur anders.“ „Erdogan tritt zurück und sagt: Autokratie macht einsam und krank!“ Nicht zu vergessen: „Facebook verbietet nervige Diät-Videos, zensiert Gewalt-Posts und zahlt Steuern!“ Und: „Friedrich Merz will Star werden und tritt bei DSDS mit dem selbst gedichteten Mittelschichts-Schlager an: „Im Flieger bin ich Sieger!“

Sie haben diese Zeilen ohne Schnappatmung überstanden? Gut, dann kommt jetzt „gute Nachrichten für Fortgeschrittene“: „Cannabis weltweit legalisiert – die Konjunktur schießt darauf nicht nach oben, sondern in die Breite!“ „Attila Hildmann, Xavier Naidoo und Michael Wendler begeben sich in Therapie und verbreiten via Messenger-Dienst „Telegram“: Verfolgungswahn ist heilbar!“ „Klimakatastrophe abgewendet: Menschheit einigt sich auf Kooperation, gemeinsame Klimaziele und die Abschaffung sämtlicher Armeen!“ Nicht zu vergessen: „Sensation: Die SPD entdeckt die Sozial-Demokratie!“ Gefolgt von: „Clemens Tönnies – seit Jahren heimlicher Vegetarier!“

Und zu guter Letzt: „Katzenvideos überbewertet – wie empathische Gespräche mit echten Menschen mehr Freude bringen als Kätzchen, die aus Versehen hinter einen Schrank fallen!“

Warum die Autos weinen!

Wir haben Corona-Krise, Lockdown, Berufsverbote, Arbeitslosigkeit, Hamsterkäufe, Wahldramen in den USA – kurz: eine Menge ziemlich unangenehmer Situationen. Jetzt ist allerdings noch eine weitere dazu gekommen. Klagt jedenfalls die Präsidentin des Verbandes der Automobilbranche: Pop-Up Radwege! Diese improvisierten, kurzfristig errichteten Radwege führen nämlich Hildegard Müller zufolge vor allem zum Verkehrskollaps.

Nun muss man wissen, dass die Fähigkeit zum „lauten Wehklagen“ eines der Haupteinstellungskriterien in einem Lobbyisten Verband ist. Vermutlich nehmen die nur Leute, die knapp an einer Karriere als dramatischer Sopran vorbei schrammten. Oder solche, die eigentlich Klageweib werden wollten, aber feststellten, dass die Spitzenpositionen in der AfD schon von meist männlichen Klageweibern besetzt sind…

Jetzt also das große, dramatische Lied vom Verkehrskollaps. Der geneigte Leser wird sofort an endlose Staus, Abgas-Verschmutzung, kompletten Stillstand und haufenweis genervte Verkehrsteilnehmer denken. Also an einen ganz normalen Werktag in Berlin. Und der soll jetzt noch einmal zugespitzt werden, indem Fahrradfahrern noch mehr Raum gegeben wird?

Nun kann man sicher einiges gegen Fahrradfahrer sagen: Es gibt unter ihnen durchaus solche, die ohne weiteres als Selbstmord-Attentäter eine Karriere machen könnten. Und deren Aggressionspotential das eines Gorillas auf einem schlechten Anabolika-Trip durchaus in den Schatten stellt. Aber dass mehr Fahrradfahrer und mehr Raum für Radwege zu einem „Verkehrskollaps“ führen, ist so schlüssig wie „mehr Sex führt zu einer Geburtenschwemme“ (dann müssten Porno-Darsteller ja die kinderreichsten Familien haben).

Lautes Wehklagen übertüncht vor allem eins: das Auto ist eine Technologie, die dem Untergang geweiht ist oder sich stark wandeln wird. Pop-Up Radwege spielen da in etwa die gleiche Rolle wie Donald Trump in einem Schweige-Kloster – nämlich keine!

Warum der Ellbogen unterschätzt wird!

Wenn es einen Profiteur dieser Krise gibt, dann ist es der Ellbogen! Bislang ein eher nutzloses Körperteil, das nur für die Beugung des Armes herhalten musste und ansonsten zu Schleimbeutelentzündung neigte, erlebt der Ellbogen in diesen Monaten eine echte Renaissance. Fast alle virologisch relevanten Tätigkeiten (außer dem Maskentragen) werden an den Ellbogen delegiert: Man hustet und niest in ihn hinein, nutzt ihn aber andererseits auch zur Begrüßung – was natürlich die Frage aufwirft, warum man dann nicht beides weiterhin mit der bisher so nützlichen Hand erledigt?!

Aber die Hand gilt als einer der Hauptverdächtigen bei der Viren-Übertragung und ist insofern ein unreines Körperteil, das zudem ständig gewaschen werden muss, obwohl wir mittlerweile Bahntüren mit dem Ellbogen öffnen, uns nur noch mit dem Ellbogen an Ampeln lehnen oder Fahrstühle damit steuern, und man sich fragt, wie der Dreck überhaupt noch an die Hand gelangen kann? Und ob der Ellbogen nicht statt der Hand viel häufiger geschrubbt werden müsste? Dennoch findet ein Paradigmenwechsel statt, der den Ellbogen als rücksichtsloses Rempel-Körperteil entlastet. Sein Einsatz symbolisiert neuerdings kreative Rücksicht: „Ich begrüße dich mit dem Ellbogen, um dich zu schützen“.

Die Statthalter der ehemaligen Ellbogen-Gesellschaft haben es dementsprechend schwer. Friedrich Merz etwa, der die Sehnsucht nach wirtschaftlich eher fatalen Rezepten wie der Subventionierung der Reichen auf Kosten der Armen verkörpert. Jener Friedrich Merz, der sich als Ex-Blackrock-Manager allen Ernstes als Opfer einer christ-demokratischen Verschwörung betrachtete nach dem Motto: „Die haben Corona doch nur erfunden, um mich als Kanzlerkandidaten zu verhindern…“ Was die Frage aufwirft, ob Herr Merz nicht insgeheim zu viele vegane Kochbücher von Attila Hildman geraucht hat….

An der Stelle ist es gut, dass der Ellbogen ein Symbol des Miteinanders wird!

Warum wir das Theater nicht mehr verlassen!

Im antiken Griechenland war es Pflicht, Theatervorstellungen zu besuchen, weil dort in Ermangelung des Internets dem Volk die gegenwärtige Politik erklärt wurde. Wer nicht kommen wollte, dem drohten Soldaten ermutigende Schläge an. Die Demokratie dort hielt viele Jahrhunderte.

Die deutsche Demokratie zeigt schon bei der ersten Pandemie leichte Ermüdungserscheinungen – was vielleicht auch mit ihrer Einstellung zum Theater zu tun hat. Oder der Einstellung des Theaters, um genau zu sein. “To Be or Not to Be”, heißt es bei Shakespeare, und für viele Theater ist das jetzt eine ganz reale Frage sein. Da haben sie nun wie auch die Gastronomie in Hygiene-Maßnahmen investiert, Belüftungskonzepte erklügelt, Plätze reduziert – vor dem übermorgen beginnenden „Lockdown“ hat es sie nicht bewahrt.

Dabei gibt es keine klar nachgewiesenen Infektionen im Theater. Das Publikum ist dermaßen masken-diszipliniert, dass die S-Bahn neidische Weinkrämpfe kriegen könnte. Laut einem Großversuchskonzert mit Tim Bendzko und mehr als 1000 Teilnehmern sind Großveranstaltungen mit Hygienekonzept sicherer als Großhochzeiten – oder häusliche Partys.

Da fast alle Infektionen zurzeit im „häuslichen Umfeld“ stattfinden, muss man zum gegenteiligen Schluss der gegenwärtigen Politik kommen: Es gilt, das „häusliche Umfeld“ möglichst zu vermeiden! Daher hier nun folgender revolutionärer Vorschlag: Alle gehen ins Theater! Und bleiben dort bis Neujahr – Sie werden köstlich unterhalten, bleiben Corona-frei und müssen sich nicht um das nervige Weihnachten oder infizierte Verwandte kümmern. Die Gastronomie bereitet für die zahlreichen Pausen leckere Speisen vor, die Corona-gerecht eingenommen werden. Die Menschen lachen gemeinsam, weinen gemeinsam, lassen sich berühren, ohne dabei körperlichen Kontakt aufzunehmen. Ein neuer Zusammenhalt entsteht, innergesellschaftliche Gräben werden überwunden, und das Neue Jahr beginnt Corona-frei!

Warum wir jetzt keine Kokosmilch mehr trinken!

Im Rahmen der großen „Gemeinsamen Agrar-Reform“ (GAP) der EU müssen nach Willen des Bauernverbandes diverse Lebensmittel dran glauben. Mandelmilch, Kokosmilch und Sojamilch sind nach einem Eu-GH Urteil bereits verboten und müssen Mandel-, Kokos- und Soja-Drink heißen. Milch darf laut Gericht nur noch heißen, was aus „normaler Eutersekretion“ gewonnen wird. „Muttermilch“ muss also nicht in „Busen-Drink“ umbenannt werden (obwohl Letzteres sicher eine gute Marketing-Idee wäre). Welches Euter allerdings für „Scheuermilch“ sekretiert wurde, ist unklar. Verkehrsminister Andreas Scheuer dementiert, dass er dafür gemolken wurde… Das wäre ja auch Quatsch. Scheuermilch ist ein kräftiges, wirkungsstarkes Mittel, wo soll das bitteschön beim Scheuer-Andi herkommen?

Aber die Bauern wollten auch die Bezeichnung „Steak“, „Burger“ oder „Wurst“ für „echtes“ Fleisch patentieren – was das EU-Parlament allerdings ablehnte. „Tofu-Steak“, „Veggie-Burger“ oder „vegane Curry-Wurst“ müssen jetzt doch nicht in „geschmackloser Tofu-Bratling“, „nährstoff-freies Gemüse-Rundstück“ und „in Pelle gedrängtes Soja-Hack mit krebserregenden Aroma-Stoffen“ umbenannt werden.

Grundsätzlich sind korrekte Bezeichnungen wünschenswert. Auch das Wort „Steak“ ist schließlich eine irreführende Bezeichnung. Es kommt vom alt-germanischen „Steik“ für „gebraten“. Im Grunde muss also alles Gebratene „Steak“ heißen. Aus Spiegel-Ei wird „Steak-Ei“, aus „ich habe ihm eine übergebraten“ wird „ich habe ihn gesteakt“.

Das Wort „Burger“ kommt von „Hamburger“, weil es das „Rundstück zwischen zwei Brothälften“ beschreibt, das aus der Stadt Hamburg emigrierte Deutsche nach Amerika brachten. Der „Burger“ sollte also korrekterweise „fleisch-haltiges Rundstück zwischen zwei nährstofffreien, Verstopfung erzeugenden Weißbrothälften“ heißen. „Wurst“ schließlich kommt vom altgermanischen „Wers“ „verdrehen“ oder „wirr“ – aus „Curry-Wurst“ wird so „wirr verdrehte Schlachtabfälle mit Curry-Aromen“. Wenn schon korrekt, dann aber richtig.

„Käse-Alternative“ und „Joghurt-Style“ dürfen laut GAP nicht mehr so heißen. Milchprodukt-Bezeichnungen sind für Milchprodukte reserviert. „Käsefüße“ werden so „Muffel-Quanten“ – „Leberkäse“ mutiert zu „überbackene verdrehte Schlachtabfälle“…

Ach so – die GAP (Gemeinsame Agrar-Reform) muss natürlich auch umbenannt werden. Sie belohnt nämlich jene, die eh schon genug haben: Groß-Vieh macht eben nicht nur Mist, sondern kriegt auch viel Geld – Kleinvieh hingegen macht nur Mist. Der richtige Name der Reform wäre vermutlich: „Bereicherungs-Initiative-von-Gierbauern-Für-Umwelt-Chaos-und-Katastrophen“. Kurz: BIG-FUCK!

Warum wir jetzt mit Drogen handeln!

Mit Drogenhandel reich werden – für viele kriminelle Groß-Clans ein beschwerlicher und illegaler Traum. Die US-Pharma-Branche führt vor, wie man es richtig macht. Man nennt es nämlich nicht „Drogenhandel“, sondern „Schmerzmittel-Produktion“. Dieser kleine Kniff machte die etwa 13 Mitglieder des kleinen, aber feinen Sackler-Clans mit ihrer Firma „Purdue“ und dem Medikament „Oxycontin“ zu den reichsten Drogen-Dealern der Welt. Geschätztes Vermögen: 13 Milliarden Dollar, die teils in der Schweiz liegen. Vermutlich waren es die Sacklers, die betreten am Bankschalter in Basel standen und leise herumdrucksten, dass sie gern „ein paar Millionen in bar“ einzahlen möchten, worauf die Bankangestellte laut erwiderte: „Sie müssen nicht flüstern – Armut ist in der Schweiz keine Schande!“

Das Opioid Oxycontin ist einer der Haupttreiber der US-Opiat-Sucht, welche in den letzten 20 Jahren etwa 400.000 Menschen tötete – mehr als der Vietnamkrieg und Corona zusammen. Auf „Purdue“ mit seinem Marktanteil von 6,7% entfallen also rein rechnerisch knapp 27.000 Tote – oder etwa 2000 für jedes Familienmitglied des Sackler-Clans… Dagegen ist selbst Chapo Guzman, einst reichster Drogenboss der Welt (33 Morde, mittlerweile im Knast), ein stümperhafter Anfänger!

„Purdue“ hat jetzt einen Vergleich über 8,3 Milliarden Dollar mit dem US-Justzministerium geschlossen, zu dem die Familie 225 Millionen oder etwa 1,7 Prozent ihrer Beute beisteuern möchte. Der Vergleich fiel „Purdue“ (die Ähnlichkeit mit dem französischen Wort „Perdu(e) = verloren“ ist sicher zufällig) nicht schwer – immerhin ist die Firma insolvent…

Das Beispiel inspiriert: Warum nicht Alkohol zum Heilmittel für Krebs deklarieren? Nach dem Motto: „Korn? Wirklich? Das hilft gegen Krebs?“ „Nicht direkt – aber bei vier Flaschen täglich ist Krebs schon nach drei Monaten Ihr geringstes Problem…!“ Warum nicht Crystal Meth zu einem „leistungssteigernden Müdigkeits-Hemmer“ umfirmieren? Ach, das gab’s bereits? Unter dem Namen „Pervitin“? Größter Abnehmer: Hitlers Wehrmacht mit 60 Millionen Dosen…

Man könnte natürlich auch einer Limonade Kokain zusetzen und Letzteres dann durch Zucker ersetzen. Dann hat man einen Marktwert von 84 Milliarden, ist beteiligt an elf Millionen Todesfällen jährlich durch zu viel zuckerhaltige Nahrung, und nennt sich – Coca-Cola…

Warum Corona uns fit macht!

„Wenn alle immer nur meckern, können wir so was wie Corona eben in Zukunft nicht mehr machen“, lautet ein Meme, das ich neulich erhielt. Die Meckerei ist allerdings vorbei, denn Corona entpuppt sich zusehends als Denksportaufgabe. Man muss sich nur einmal die Mühe machen, die Regeln auswendig zu lernen.

So dürfen sich in Berlin, Bremen, Bayern sowie an allen Orten, die mit ungeraden Postleitzahlen beginnen, nicht mehr als fünf Personen aus fünf Haushalten an öffentlichen Orten treffen und 25 bei privaten Feiern, die allerdings nicht mehr als zwei Haushalte umfassen dürfen. Steigt der Inzidenzwert des RKI über 50, oder der LGL-Wert über 47,5 in Bayern, reduziert sich das auch an Orten mit geraden Postleitzahlen auf 10 bei privaten Feiern aus anderthalb Haushalten, die allerdings zur Sperrstunde um 21.27 Uhr wieder gehen müssen – und zwar nüchtern.

Geschlossene Räume, besonders in Schulen müssen regelmäßigem Stoßlüften ausgesetzt sein – alle 19,38 Minuten. Restaurantgästen wird bundesweit nahegelegt, sich selbst zwischen den Gängen zu stoßlüften und an die frische Luft zu gehen. Wer sich vor der Kneipe als Passivraucher statt Corona einen Lungenkrebs einfängt, erhält eine Steuergutschrift.

Der Alkoholausschank ab 19.53 wird stark eingeschränkt und nur noch auf Rezept erlaubt – besonders an Schulen! Ein Beherbungsverbot für Menschen aus Hot-Spots gilt nur noch in Meck-Pom und Schleswig-Holstein, wobei Frau Schwesig lustigerweise nicht für Schleswig zuständig ist, sondern für Meck-Pom, dem auf diese Weise die einzige Einnahmequelle, der Tourismus, komplett abhandenkommt. Wohnmobile mit dem Kennzeichen OVP (Ost-Vor-Pommern, kurz für „EBK – Ende der bekannten Welt“) finden reißenden Absatz, weil man mit ihnen überall übernachten darf.

Um das „wirtschaftliche Leben“ nicht wieder herunterfahren zu müssen, bleiben selbst Bordelle jetzt geöffnet, sogar ohne Maskenpflicht – vorausgesetzt, ein Mindestabstand von anderthalb Metern ist gewährleistet… Der Mindestabstand darf allerdings verringert werden bei regelmäßigem „Stoßlüften“…

Ab einem Inzidenzwert von 5000 oder einer Promillegrenze von 5 gelten alle Regeln als aufgehoben – und werden ersetzt durch eine freundliche Anleitung zum umweltverträglichen Suizid.

Warum wir Fleisch brauchen!

Eine leider wachsende Anzahl von Menschen möchte – wenigstens in der Theorie –  dem Fleischkonsum abschwören. Das ist natürlich eine schlechte Idee. Forscher vermuten, dass der Früh-Mensch nur durch Umstellung seiner Nahrung auf etwa 50 Prozent Fleisch in der Lage war, das große Gehirn zu entwickeln, das es ihm ermöglichte, lauter tolle Erfindungen zu machen. Leider scheint das Hirn mittlerweile ausgereift, und jede Zusatz-Vergrößerung stößt an die Schädeldecke und führt zu schmerzhaften Wahnideen, siehe Trump…

Apropos: Eingeschworene Fleisch-Gegner verweisen gern auf die Gefahr von „Zoonosen“, also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen überspringen… Corona ist nicht das einzige Problem – ich bin mir sicher, dass jemand heimlich „Hähnchen-Flocken“ über das Müsli des überdrehten Veganer-Kochs Attila Hildmann streute, was zu seiner Psychose führte. Der „Tiefe Staat“, also eine mächtige, geheime Organisation, die so geheim ist, dass nur Verschwörungstheoretiker sie kennen, ist dafür verantwortlich! Hallo?! Man muss auch mal ein paar Zusammenhänge sehen!

Aber es gibt natürlich auch positive Dinge, die vom Tier auf den Mensch überspringen: Zerriebener Tiger-Penis etwa fördert die Potenz. Wie, Sie glauben das nicht? Wollen Sie etwa Tausende von Chinesen zu Idioten erklären??

Zusatzbonus: Hühner werden mit so vielen Antibiotika vollgepumpt, dass man im Falle einer Infektion rezeptfrei eine Breitband-Antibiotika-Kur an der Hähnchentruhe in Kombination mit einem leckeren Abendessen erstehen kann.

Außerdem sorgt Fleischkonsum für kürzere Schlangen im Supermarkt: Durch die Vernichtung von Regenwald für Soja-Futtermittel, die Beschleunigung des Klimawandels, die Ansteigen der Meeresspiegel werden so viele Menschen der „Fleischkonsum-Auslese“ zum Opfer fallen, dass man die Steak-Theke fast für sich allein hat. Man sollte nicht immer nur das Negative sehen…!

Warum wir nichts mehr beherbergen!

Masken tragen – lästig, aber ok. Abstand halten – geht. Hände waschen – abgesehen von der Tatsache, dass die Haut mittlerweile in vertrockneten Raspeln abfällt wie Käse von einem überalterten Parmesan – kann man alles machen. Aber jetzt kommt das Beherbergungsverbot, und man fragt sich: Welche psychedelischen Drogen muss man nehmen, um auf solche Ideen zu kommen?

Die Folge: Denunziationen von Menschen, die aus einem Risikogebiet in einsame brandenburgische Ferienhäuser reisen, um dort mögliche Ansteckungen zu vermeiden. Meck-Pom, deren Bewohner (wie heißen die eigentlich? Meck-Pomeranzen?) sich eine für ein Tourismusland erstaunliche Fremdenfeindlichkeit leisten, zieht gefühlt wieder die Mauer hoch; sogar Niedersachsen macht mit, um nicht „Ausweich-Quartier“ für Urlauber zu sein, die nicht an die Ostsee können. Das zeugt von beeindruckender Selbstüberschätzung: Wenn jemand statt nach Usedom unbedingt nach Hannover will, dann ist das eher eine Diagnose als ein Urlaubsziel!

Eine ganze Reihe Geschäftsreisende (so wie ich) wird jetzt auf die „privaten“ Kanäle ausweichen müssen. Bekannte von Freunden von Bekannten – und wer weiß, wo man da landet. Die Plattform „Couchsurfing“ bietet weitere private Möglichkeiten, zur Not geht man über Tinder… All diese Möglichkeiten bieten intime Möglichkeiten einer kostengünstigen Hotel-Umgehung – aber ob die damit verbundenen Gelegenheitsknutschereien wirklich soviel weniger Corona übertragen als gut gereinigte Hotelzimmer, ist noch nicht abschließend erwiesen!

Ein Bekannter wurde auf einer dieser Übernachtungen sogar auf eine SM-Party eingeladen. Er ging mit – schließlich handelte es sich durchgehend um Menschen, die schon vor Corona an Masken gewöhnt waren – jedenfalls obenrum… Man kann dieser Tage nämlich komplett Corona-safe sein – und trotzdem AIDS kriegen.

Warum der DFB im Abseits ist!

„Libero“ nannte man die Position, die etwa „Kaiser“ Beckenbauer im Fußball spielte: ein Defensivspieler, der mit erheblichen Freiheiten ausgestattet auch im Sturm mitmischte. „Libero“ war anscheinend auch die Position, die der DFB in Bezug auf seine Steuergestaltung spielte – und vielleicht gar nicht mitbekam, dass die Position weder im modernen Fußball noch in der modernen Steuerpflicht mehr vorhanden ist.

Zwischen dem Finanzamt und dem DFB gibt es nämlich gravierende „Missverständnisse“, die jetzt bei einem Steuerschaden von 4,7 Millionen Euro dazu führen können, dass gestandene Fußball-Funktionäre in den Knast wandern. Allerdings muss man seit den Affären um die Fifa zugeben, dass „in den Knast wandern“ vielleicht eine der Haupt-„Funktionen“ eines Fußball-Funktionärs ist.

Der DFB könnte hier steuerlich argumentieren: Die Einnahmen aus der Bandenwerbung seien vermögenswirksame Leistungen, weil sie schließlich das Vermögen des DFB steigerten. Die Staatskasse hingegen sagt dem Vernehmen nach, dass „eine Bande“ „gewerbliche Einnahmen“ als „Vermögenseinkünfte“ deklarierte. Worauf der DFB kontert, dass das Steuerwesen, wie man nicht erst seit der Causa Hoeneß weiß, für Kicker eine „außergewöhnliche Belastung“ darstellt und man im Grunde der Meinung ist, der Fußball sei als letzte echte, alle Deutschen einende Religion eigentlich Kirchensteuer-berechtigt und müsse eher Geld erhalten als zahlen!

Woraufhin das Finanzamt endgültig in den Fußballjargon wechselt und dem DFB vorwirft, „im Abseits“ zu agieren, weil die „Transfergelder“ nicht rechtzeitig entrichtet wurden, was einer „Blutgrätsche“ gleichkommt, die zu einem „Strafstoß“ führt, welcher mit einem „Platzverweis“ und dem „Abstieg“ des Verbandes endet.

Es kann natürlich sein, dass man Akten und Computer durchsuchen möchte, um Hinweise auf Unregelmäßigkeiten beim Sommermärchen 2006 zu finden. Womit wir wieder beim Paten des letzteren wären: Franz Beckenbauer – einmal „Libero“, immer Libero…

Chin Meyer spielt am 11. Oktober um 18 und um 20.30 Uhr live in den Wühlmäusen am Theo – www.wuehlmaeuse.de

Warum wir Schulden brauchen!

Eine Rekordverschuldung von 96 Milliarden Euro plant der Finanzminister für 2021 – die „Schwarze Null“ wird auf dem Corona-Altar geopfert. Lange war die Republik sehr stolz auf diese schwarze Null gewesen – so wie Eltern, die das Gekritzel ihres Kindes zu museumsreifer Kunst erklären. Im Ausland fand man das eher befremdlich, nahm es aber von einem Volk, das in der Krise Toilettenpapier hortet und gehäkelte Klorollenüberzieher auf der Hutablage des Mercedes spazieren fährt, als weiteren Beweis einer gelungenen analen Fixierung zur Kenntnis. Das europäische Ausland huldigt dem Geld nämlich lieber in anderer Form: Rot und weit weg von der Null!

Während also der „Musterknabe“ Deutschland Schulen, Straßen und Bahnen verrotten lässt, sorgt man sich anderorts lieber um gute Lebensqualität. Deshalb sollte die Rekordverschuldung nur ein erster Schritt sein. Weitere müssen folgen, um den Schulden-Anschluss an Italien und Griechenland nicht zu verlieren. Es heißt, die EU sei auf dem Weg in eine Transferunion. Aber, wie wir Berliner wissen, so eine Transferunion bringt nur Spaß, wenn man auf der Empfängerseite steht!

Viel zu lang war die „schwäbische Hausfrau“ Maß aller Dinge. Sie sollte sich lieber an einer Nachbarin orientieren, die wegen Partylärms im Haus nicht schlafen kann, dann aus purer Not zum Mitfeiern vorbeikommt, anschließend die Bar leer trinkt und den Gastgeber unter die Couch knutscht.

Erst wenn südeuropäische Staaten die Deutschen verzweifelt fragen, ob sie nicht etwas sparen können, ist die EU wieder funktional. Natürlich stellt sich die Frage, wer das alles bezahlt. Nun, unsere Kinder nicht. Unsere Enkelkinder auch nicht. Das ist etwas für die Ur-Enkel. Und da unsere Kinderproduktion nicht für so wahnsinnig viele Ur-Enkel reicht, müssen wir uns welche aus dem Ausland borgen. Wir sollten daher Geflüchteten und Zuwanderern auf keinen Fall verraten, dass jeder von ihnen mit Betreten deutschen Bodens Schulden in Höhe von 50.000 Euro übernimmt…

Warum wir jetzt endlagern!

Mit der Atomenergie ist es ja so eine Sache: Nachdem man jahrzehntelang fröhlich Atom-Energie produzierte, fiel irgendwann auf, dass da haufenweise ziemlich abgebrannte und lang vor sich hin strahlende Brennelemente anfielen. Da das Volk aber „abgebrannte und ziemlich lang vor sich hin strahlende Elemente“ vom Dschungelcamp her kannte, war zunächst niemand groß alarmiert. Das ändert sich jetzt. Denn es gibt eine „weiße Landkarte“. Also keine Tabus bei der ergebnisoffenen Suche nach einem Endlager – vielen erschöpften Singles dürfte dieses Prinzip von Online-Partnervermittlungen wie „Elitepartner“ vertraut sein…

Auf der „weißen Landkarte“ sind auch Spandau und Reinickendorf verzeichnet – aber dass diese Stadtteile geeignete Endlager sind, wissen die vielen dort lebenden Rentner schon lange… Kreativität ist gefragt. Warum werden nicht auch mal die offensichtlichen atomaren Endlager in die Debatte mit einbezogen, etwa Xavier Naidoo, Attila Hildmann oder die QAnon-Verschwörer – schließlich sind die jetzt schon komplett verstrahlt…!

Angesichts der vorhersehbaren Widerstände gegen die Endlagerung könnten auch steuerliche Anreize geschaffen werden, um die Bevölkerung umzustimmen. So könnte schon ein Steuer-Rabbat von nur 100 Euro bei Aufnahme eines Atom-Müll-Fasses in den eigenen Keller reichen. Vorausgesetzt, der Rabbat gilt für eine Million Jahre und wird im Voraus ausgezahlt. Ganz Marzahn wäre Endlager – und steigende Mieten in Berlin kein Thema mehr!

Der Testsieger jedoch wird zweifelsohne der Flughafen BER. Angesichts ausbleibender Fluggäste ist es zudem die einzig sinnvolle Verwendung des Areals. Und die meisten der wenigen Passagiere können überdies dankbar sein, schon am Boden an die hohen Strahlungswerte in der Luft gewöhnt zu werden. Und spätestens bei der 400sten Eröffnungs-Verschiebung im Jahr 2648 hört sogar Atommüll auf mit dem Strahlen!

Warum wir uns jetzt nach Trump richten!

70.000 Dollar für seine Frisur hat Donald Trump von der Steuer abgesetzt. Was auf den ersten Blick wie eine Menge Geld erscheint, wird auf den zweiten verständlich: Schließlich belegen seine Tweets, dass ein Großteil seines Hirns aus hohler Luft besteht – und jeder, der schon mal versucht hat, einen vergilbten Eichhörnchen-Schwanz auf einem Luftballon zu befestigen, weiß, dass das ein ebenso schwachsinniges wie teures Hobby ist!

Die weltweite Steuer-Optimierungsbranche hingegen wird den Bericht der New York Times mit Interesse gelesen haben, demzufolge der amerikanische Präsident in 11 von 18 untersuchten Jahren gar keine Steuern zahlte und in den ersten beiden Jahren seiner Präsidentschaft je 750 Dollar. Kurz gesagt: Jede Kassiererin bei Aldi ist reicher als Donald Trump.

Oder aber nicht so gut in Steuervermeidung. Vielleicht wird „Donald der Gierige“ nicht als erster amerikanischer Kaiser in die Geschichtsbücher eingehen, sondern als Heiliger der Steueroptimierungs-Industrie, welcher es immerhin schaffte, den Verzicht auf die Entwicklung eines großen Anwesens im Staat New York als „Wohltätigkeit“ in Höhe von 21 Millionen Dollar von der Steuer abzusetzen. Das Gute daran: Wer es etwa in Kreuzberg schafft, nicht auf die Dielen seiner Altbauwohnung zu kacken, könnte das mithilfe einer „Donald-Klausel“ als „gelebten Denkmalschutz“ absetzen! Trump hat einen Nobelpreis verdient: immerhin ist es ihm gelungen, die Raum-Zeit-Krümmung auf eine fiskalische Ebene zu übertragen.

Dummerweise macht man sich beim Errichten einer Kleptokratie auch jede Menge Feinde. Seine Volksverhetzung steigert Donald so zur „Volksvergrätzung“. Hat sich der „Make Narzissmus Great Again“-Präsident das erste Mal noch wählen lassen, um einer Privat-Insolvenz zu entgehen – das zweite Mal muss er sich wählen lassen, um eine lange Gefängnisstrafe zu vermeiden!

Warum wir kein Eis mehr brauchen!

Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung ist für sieben Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, die reichsten zehn Prozent hingegen für über die Hälfte davon, sagt Oxfam. Ja, was hatten die denn erwartet? Dass die Reichen nur E-Autos fahren, aus dem Home-Office arbeiten und höchstens mal zum Yoga in den Garten gehen? Und wer kurbelt dann die Konjunktur an?

Zugegeben: Das Eis in der Arktis schmilzt schneller als in den hässlichsten Szenarien, aber kann man die reichsten zehn Prozent (und weltweit gehören wir Deutschen nun mal dazu) dafür verantwortlich machen, dass das Klima sich nicht an den Fahrplan hält? Was passiert denn mit der Lufthansa, wenn niemand mehr fliegt? Was mit BMW, wenn alle nur noch Tesla fahren? Und was wird aus der zweitgrößten Schweinefleisch-Exportnation, wenn alle nur noch vegane Smoothies inhalieren? Kann die Deutschland-Titanic dem Klima-Eisberg überhaupt noch ausweichen? Und an der Stelle ist es vielleicht ganz gut, wenn der Eisberg bereits geschmolzen ist…

Schließlich haben wir Deutschen unser gesamtes Geschäftsmodell auf eine größtmögliche Reduktion der Umwelt ausgerichtet, und in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts jeden ausgelacht, der irgendwas von nachhaltigen Technologien faselte. Da kann man jetzt doch nicht einfach CO2 um jeden Preis reduzieren! Das sollen lieber die machen, die sich ohnehin noch nicht an einen starken CO2-Ausstoß gewöhnt haben – schließlich sind die ja auch am stärksten betroffen, nicht wahr, Bangladesh?

Oder man beteiligt die ärmere Hälfte in einem fairen CO2-Handel: Jeder Mensch darf 2 Tonnen CO2 im Jahr verbrauchen. Wer mehr verbraucht, zahlt einen entsprechenden Ausgleich an die ärmere Hälfte der Menschheit… Damit auch die sich irgendwann Lufthansa-Flüge und BMWs leisten können – dann heißt es endlich: „Am deutschen Pesen soll die Welt verwesen…“

Warum wir ohne Arbeit gut leben können!

„Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können,“ sagte Friedrich Merz am Wochenende über die Verlängerung der Kurzarbeit in der Coronakrise. „Ah“, dachte ich bei mir, „da spricht der Vollblutpolitiker! Einer, der weiß, wie schnell man sich daran gewöhnt, ohne Arbeit zu leben.“ Obwohl Merz das natürlich vehement dementieren wird, und mir dann den berechtigten Vorwurf macht, ich hätte eben keine Ahnung, wie anstrengend es sei, so ein Privatflugzeug vollzutanken…

Komischerweise ist die Angst, dass man sich an ein Leben ohne Arbeit gewöhnt, nicht so wahnsinnig weit verbreitet. Die wenigsten Menschen denken auf dem Sterbebett: „Ich hab’s voll versemmelt – ich hätte mit mehr Arbeit leben müssen…!“

Es sind diese Art von Merz-Sprüchen, die beim Publikum den Verdacht wecken, sein Bewerbungsgespräch beim Finanzriesen „Blackrock“ sei etwa so verlaufen: „Was können Sie denn so, Herr Merz?“ „Äh, nix…“ „Tja, Sie haben Glück, es ist gerade ein Aufsichtsratsposten frei geworden…!“

Es gibt eine ganze Reihe von Wirtschaftszweigen, die daran gewöhnt sind, ohne Arbeit zu leben, etwa Banken… Um diesem Eindruck etwas entgegen zu setzen, sind einige von ihnen sehr aktiv geworden: Wie ein grade veröffentlichtes Datenleck belegt, haben diverse Großbanken für Groß-Kriminelle im großen Stil Geldwäsche organisiert – Groß und Groß gesellt sich scheinbar gern. Auch die Deutsche Bank war mit von der Partie, vermutlich aber nur, um sich noch mal „Groß“ zu fühlen, bevor sie wieder aufs Kerngeschäft reduziert wird – nämlich gewöhnungsgemäß ohne Arbeit zu leben.

Dabei wird Deutschland maßgeblich mitgestaltet von Menschen, die schon ihr ganzes Leben ohne Arbeit leben: reiche Erben! Da wird dann auch klar, was etwa Friedrich Merz von einem Kurzarbeiter unterscheidet – der Kurzarbeiter hat schon mal gearbeitet…

Warum wir Kanzler sind!

Als die Stuttgarter Polizei Ende Juni mit der Stammbaumforschung begann, um herauszufinden, ob bei einigen Krakeelern der Krawallnacht nicht doch ein heimlicher Migrationshintergrund vorlag, taten es ihr viele Deutschen gleich. Der Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet, fand auf diese Weise raus, dass er wahrscheinlich von Karl dem Großen abstammt. „Toll,“ wird der Armin gedacht haben, „Karl der Große, Donnerlüttchen! Das ist ja mal ne Empfehlung fürs Kanzleramt! Will nicht wissen, von wem der Markus Söder so abstammt. Heinrich der Löwe, mehr wird da nicht drin gewesen sein – und der Heinrich war nur Herzog, Über den man später herzog, weil er im Krieg nicht mitzog, und dann sein Herzogtum einzog.“

Damit offenbart der Laschet nicht nur seinen Migrationshintergrund (Karl wuchs in Frankreich auf) sondern auch seine genetische Abstammung von einem Völkermörder und Sachsen-Schlächter (5000 Sachsen wurden an einem einzigen Tag an der Aller geköpft). Doch noch jemand anders wurde hellhörig: ich! Auch mein Stammbaum geht auf Karl den Großen zurück. Ich bin zusätzlich mit Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen verwand, also allererste genetische Sahne, da kann der Jens Spahn einpacken mit seiner holländischen Oranje-Familie. Das wäre was: Der Armin und ich – Dream-Team Twenty-One!

Während ich vor meinem geistigen Auge schon unsere Doppel-Krönung vor mir sehe (Hallo, Reichsbürger, euer Traum wird wahr), gucke ich vorsichtshalber im Netz nach, ob wir nicht einen weiteren Nachkommen des großen Kaisers übersehen haben. Und siehe da: Es gibt in der Tat noch einen. Also, es sind, um ehrlich zu sein, viele. Sehr viele. Statistisch gesehen hat höchstwahrscheinlich jede*r Deutsche mit wenigstens einem deutschen Großelternteil Karl den Großen als Vorfahren! Eigentlich müssten also alle Deutschen als rechtmäßige Karls-Nachfolger dieses Land regieren… Am besten wäre eine Art kollektiver Team-Verwaltung – wie heißt das noch mal… Demokratie, richtig. Wie wäre es damit?

Warum die Wirtschaft Theater spielt!

Kennen Sie den Unterschied zwischen einer Bank und einem Theater? Im Theater werden gute Schauspieler schlecht bezahlt… Seit Jan Marsalek für Wirecard sogar Schauspieler inklusive der Erstellung falscher Bank-Kulissen engagierte, um für die Wirtschaftsprüfer von EY das „Wirecard hat noch 1,9 Milliarden Euro auf den Philippinen rumliegen-Drama“ aufzuführen, dürfte sich die Bezahlung allerdings etwas verbessert haben.

Das Theaterspiel begleitet die Menschheit schon seit ihrer Entstehungsgeschichte – es drückt die Sehnsucht unserer Gattung aus, im Gespielten eine Wahrheit zu sehen, die tiefer geht als das was man gemeinhin „tägliche Mühsal“ nennt. Der Erfolg von Trash-TV ist allerdings der Beweis, dass es auch eine Sehnsucht nach Lügen gibt, die erheblich flacher sind… Dem dadurch gesenkten Standard guten Schauspiels ist es vermutlich zu verdanken, dass die Wirtschaftsprüfer sich so lange von Wirecard einlullen ließen.

Die Skandalfirma ist vielleicht ein besonders auffälliger Fall, aber dass man in der Finanzwirtschaft auf massenhaft Schauspielerei stößt, wird schnell klar, wenn ein Bankberater sagt, dass er ein „wirklich tolles Finanzprodukt“ habe. Einer Studie der Universität Zürich zufolge hängt das mit dem Job zusammen: 200 Banker wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe schwor man auf „Banker-Verhaltensnormen“ ein, die andere auf private Normen. Anschließend warfen alle unbeobachtet 10 Mal eine Münze und sollten anschließend sagen, wie häufig sie „Zahl“ erhielten. Dadurch konnten sie ihr Einkommen um bis zu 200 US-Dollar steigern. Resultat: Die Banker, welche zuvor mit den Normen der Bank geimpft wurden, logen im Schnitt 16 Prozent häufiger als die „Privaten“. Bei anderen Berufsgruppen wurde diese Verzerrung nicht beobachtet – allerdings wurden keine Politiker getestet…

So erklärt sich auch der Unterschied zwischen einer Psychiatrie und einer Bank – in der Psychiatrie ist wenigstens der Direktor geistig gesund!

Warum wir gewarnt sein sollten!

Vorgestern war „nationaler Warntag.“ Also, hätte… Hätte sein sollen. War aber nicht. Weil das mit dem Warnen anscheinend nicht so einfach ist. Gerade in Berlin, wo sämtliche Sirenen abgebaut sind, fiel es dem Alarm schwer – dabei hatte ich mich schon so drauf gefreut. Schließlich handelt es sich um den Sound meiner Kindheit. Jede Woche heulte es und wir mussten zu zweit das Klassenzimmer verlassen. Manchmal gab es auch Atombombenalarm, da durften wir uns unter den Tischen verstecken – die Älteren mussten sogar noch die Aktentasche über den Kopf halten, aber wir Jüngeren wussten, dass das Quatsch war. Nur Schulpulte schützen nachhaltig vor Atombomben…

Dabei gäbe es so viel, vor dem wir in Deutschland warnen sollten. Etwa vor der zunehmenden Gefühlskälte, die in ganz Europa zu der politischen Weigerung führt, die obdachlosen Flüchtlinge aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria aufzunehmen. Oder vor der sich ausbreitenden Ungleichheit der Vermögen. Oder dem schwindenden Vertrauen der Menschen zueinander. Oder vor der zunehmenden Desinformation, also der Verwirrung im Frontallappen des menschlichen Hirns.

Auf der Seite „dubisthalle.de“ fand ich folgende, bezeichnende Kommentarabfolge: Peter: „In der nördlichen Innenstadt war auch keine Sirene zu hören.“ Darauf ein User namens „Sachverstand“: „Es gibt in Halle keine einzige Sirene mehr.“ Peter: „Ja, aber in der nördlichen Innenstadt war keine zu hören.“ Sachverstand: „Deshalb, weil es im Stadtgebiet KEINE mehr gibt.“ Peter: „Die nördliche Innenstadt gehört zum Stadtgebiet.“ Sachverstand: „Eben und im GESAMTEN Stadtgebiet gibt es KEINE EINZIGE SIRENE mehr. Ist das so schwer zu begreifen?“ Peter: „Aber es kann doch nicht nur die nördliche Innenstadt betroffen sein.“ Doch, möchte man sagen, es ist nur die nördliche Innenstadt betroffen. Vorausgesetzt, damit ist ein Verständnis-Areal im Frontallappen gemeint…