Autor: Pia Ratajczak

Warum Corona uns fit macht!

„Wenn alle immer nur meckern, können wir so was wie Corona eben in Zukunft nicht mehr machen“, lautet ein Meme, das ich neulich erhielt. Die Meckerei ist allerdings vorbei, denn Corona entpuppt sich zusehends als Denksportaufgabe. Man muss sich nur einmal die Mühe machen, die Regeln auswendig zu lernen.

So dürfen sich in Berlin, Bremen, Bayern sowie an allen Orten, die mit ungeraden Postleitzahlen beginnen, nicht mehr als fünf Personen aus fünf Haushalten an öffentlichen Orten treffen und 25 bei privaten Feiern, die allerdings nicht mehr als zwei Haushalte umfassen dürfen. Steigt der Inzidenzwert des RKI über 50, oder der LGL-Wert über 47,5 in Bayern, reduziert sich das auch an Orten mit geraden Postleitzahlen auf 10 bei privaten Feiern aus anderthalb Haushalten, die allerdings zur Sperrstunde um 21.27 Uhr wieder gehen müssen – und zwar nüchtern.

Geschlossene Räume, besonders in Schulen müssen regelmäßigem Stoßlüften ausgesetzt sein – alle 19,38 Minuten. Restaurantgästen wird bundesweit nahegelegt, sich selbst zwischen den Gängen zu stoßlüften und an die frische Luft zu gehen. Wer sich vor der Kneipe als Passivraucher statt Corona einen Lungenkrebs einfängt, erhält eine Steuergutschrift.

Der Alkoholausschank ab 19.53 wird stark eingeschränkt und nur noch auf Rezept erlaubt – besonders an Schulen! Ein Beherbungsverbot für Menschen aus Hot-Spots gilt nur noch in Meck-Pom und Schleswig-Holstein, wobei Frau Schwesig lustigerweise nicht für Schleswig zuständig ist, sondern für Meck-Pom, dem auf diese Weise die einzige Einnahmequelle, der Tourismus, komplett abhandenkommt. Wohnmobile mit dem Kennzeichen OVP (Ost-Vor-Pommern, kurz für „EBK – Ende der bekannten Welt“) finden reißenden Absatz, weil man mit ihnen überall übernachten darf.

Um das „wirtschaftliche Leben“ nicht wieder herunterfahren zu müssen, bleiben selbst Bordelle jetzt geöffnet, sogar ohne Maskenpflicht – vorausgesetzt, ein Mindestabstand von anderthalb Metern ist gewährleistet… Der Mindestabstand darf allerdings verringert werden bei regelmäßigem „Stoßlüften“…

Ab einem Inzidenzwert von 5000 oder einer Promillegrenze von 5 gelten alle Regeln als aufgehoben – und werden ersetzt durch eine freundliche Anleitung zum umweltverträglichen Suizid.

Warum wir Fleisch brauchen!

Eine leider wachsende Anzahl von Menschen möchte – wenigstens in der Theorie –  dem Fleischkonsum abschwören. Das ist natürlich eine schlechte Idee. Forscher vermuten, dass der Früh-Mensch nur durch Umstellung seiner Nahrung auf etwa 50 Prozent Fleisch in der Lage war, das große Gehirn zu entwickeln, das es ihm ermöglichte, lauter tolle Erfindungen zu machen. Leider scheint das Hirn mittlerweile ausgereift, und jede Zusatz-Vergrößerung stößt an die Schädeldecke und führt zu schmerzhaften Wahnideen, siehe Trump…

Apropos: Eingeschworene Fleisch-Gegner verweisen gern auf die Gefahr von „Zoonosen“, also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen überspringen… Corona ist nicht das einzige Problem – ich bin mir sicher, dass jemand heimlich „Hähnchen-Flocken“ über das Müsli des überdrehten Veganer-Kochs Attila Hildmann streute, was zu seiner Psychose führte. Der „Tiefe Staat“, also eine mächtige, geheime Organisation, die so geheim ist, dass nur Verschwörungstheoretiker sie kennen, ist dafür verantwortlich! Hallo?! Man muss auch mal ein paar Zusammenhänge sehen!

Aber es gibt natürlich auch positive Dinge, die vom Tier auf den Mensch überspringen: Zerriebener Tiger-Penis etwa fördert die Potenz. Wie, Sie glauben das nicht? Wollen Sie etwa Tausende von Chinesen zu Idioten erklären??

Zusatzbonus: Hühner werden mit so vielen Antibiotika vollgepumpt, dass man im Falle einer Infektion rezeptfrei eine Breitband-Antibiotika-Kur an der Hähnchentruhe in Kombination mit einem leckeren Abendessen erstehen kann.

Außerdem sorgt Fleischkonsum für kürzere Schlangen im Supermarkt: Durch die Vernichtung von Regenwald für Soja-Futtermittel, die Beschleunigung des Klimawandels, die Ansteigen der Meeresspiegel werden so viele Menschen der „Fleischkonsum-Auslese“ zum Opfer fallen, dass man die Steak-Theke fast für sich allein hat. Man sollte nicht immer nur das Negative sehen…!

Warum wir nichts mehr beherbergen!

Masken tragen – lästig, aber ok. Abstand halten – geht. Hände waschen – abgesehen von der Tatsache, dass die Haut mittlerweile in vertrockneten Raspeln abfällt wie Käse von einem überalterten Parmesan – kann man alles machen. Aber jetzt kommt das Beherbergungsverbot, und man fragt sich: Welche psychedelischen Drogen muss man nehmen, um auf solche Ideen zu kommen?

Die Folge: Denunziationen von Menschen, die aus einem Risikogebiet in einsame brandenburgische Ferienhäuser reisen, um dort mögliche Ansteckungen zu vermeiden. Meck-Pom, deren Bewohner (wie heißen die eigentlich? Meck-Pomeranzen?) sich eine für ein Tourismusland erstaunliche Fremdenfeindlichkeit leisten, zieht gefühlt wieder die Mauer hoch; sogar Niedersachsen macht mit, um nicht „Ausweich-Quartier“ für Urlauber zu sein, die nicht an die Ostsee können. Das zeugt von beeindruckender Selbstüberschätzung: Wenn jemand statt nach Usedom unbedingt nach Hannover will, dann ist das eher eine Diagnose als ein Urlaubsziel!

Eine ganze Reihe Geschäftsreisende (so wie ich) wird jetzt auf die „privaten“ Kanäle ausweichen müssen. Bekannte von Freunden von Bekannten – und wer weiß, wo man da landet. Die Plattform „Couchsurfing“ bietet weitere private Möglichkeiten, zur Not geht man über Tinder… All diese Möglichkeiten bieten intime Möglichkeiten einer kostengünstigen Hotel-Umgehung – aber ob die damit verbundenen Gelegenheitsknutschereien wirklich soviel weniger Corona übertragen als gut gereinigte Hotelzimmer, ist noch nicht abschließend erwiesen!

Ein Bekannter wurde auf einer dieser Übernachtungen sogar auf eine SM-Party eingeladen. Er ging mit – schließlich handelte es sich durchgehend um Menschen, die schon vor Corona an Masken gewöhnt waren – jedenfalls obenrum… Man kann dieser Tage nämlich komplett Corona-safe sein – und trotzdem AIDS kriegen.

Warum der DFB im Abseits ist!

„Libero“ nannte man die Position, die etwa „Kaiser“ Beckenbauer im Fußball spielte: ein Defensivspieler, der mit erheblichen Freiheiten ausgestattet auch im Sturm mitmischte. „Libero“ war anscheinend auch die Position, die der DFB in Bezug auf seine Steuergestaltung spielte – und vielleicht gar nicht mitbekam, dass die Position weder im modernen Fußball noch in der modernen Steuerpflicht mehr vorhanden ist.

Zwischen dem Finanzamt und dem DFB gibt es nämlich gravierende „Missverständnisse“, die jetzt bei einem Steuerschaden von 4,7 Millionen Euro dazu führen können, dass gestandene Fußball-Funktionäre in den Knast wandern. Allerdings muss man seit den Affären um die Fifa zugeben, dass „in den Knast wandern“ vielleicht eine der Haupt-„Funktionen“ eines Fußball-Funktionärs ist.

Der DFB könnte hier steuerlich argumentieren: Die Einnahmen aus der Bandenwerbung seien vermögenswirksame Leistungen, weil sie schließlich das Vermögen des DFB steigerten. Die Staatskasse hingegen sagt dem Vernehmen nach, dass „eine Bande“ „gewerbliche Einnahmen“ als „Vermögenseinkünfte“ deklarierte. Worauf der DFB kontert, dass das Steuerwesen, wie man nicht erst seit der Causa Hoeneß weiß, für Kicker eine „außergewöhnliche Belastung“ darstellt und man im Grunde der Meinung ist, der Fußball sei als letzte echte, alle Deutschen einende Religion eigentlich Kirchensteuer-berechtigt und müsse eher Geld erhalten als zahlen!

Woraufhin das Finanzamt endgültig in den Fußballjargon wechselt und dem DFB vorwirft, „im Abseits“ zu agieren, weil die „Transfergelder“ nicht rechtzeitig entrichtet wurden, was einer „Blutgrätsche“ gleichkommt, die zu einem „Strafstoß“ führt, welcher mit einem „Platzverweis“ und dem „Abstieg“ des Verbandes endet.

Es kann natürlich sein, dass man Akten und Computer durchsuchen möchte, um Hinweise auf Unregelmäßigkeiten beim Sommermärchen 2006 zu finden. Womit wir wieder beim Paten des letzteren wären: Franz Beckenbauer – einmal „Libero“, immer Libero…

Chin Meyer spielt am 11. Oktober um 18 und um 20.30 Uhr live in den Wühlmäusen am Theo – www.wuehlmaeuse.de

Warum wir Schulden brauchen!

Eine Rekordverschuldung von 96 Milliarden Euro plant der Finanzminister für 2021 – die „Schwarze Null“ wird auf dem Corona-Altar geopfert. Lange war die Republik sehr stolz auf diese schwarze Null gewesen – so wie Eltern, die das Gekritzel ihres Kindes zu museumsreifer Kunst erklären. Im Ausland fand man das eher befremdlich, nahm es aber von einem Volk, das in der Krise Toilettenpapier hortet und gehäkelte Klorollenüberzieher auf der Hutablage des Mercedes spazieren fährt, als weiteren Beweis einer gelungenen analen Fixierung zur Kenntnis. Das europäische Ausland huldigt dem Geld nämlich lieber in anderer Form: Rot und weit weg von der Null!

Während also der „Musterknabe“ Deutschland Schulen, Straßen und Bahnen verrotten lässt, sorgt man sich anderorts lieber um gute Lebensqualität. Deshalb sollte die Rekordverschuldung nur ein erster Schritt sein. Weitere müssen folgen, um den Schulden-Anschluss an Italien und Griechenland nicht zu verlieren. Es heißt, die EU sei auf dem Weg in eine Transferunion. Aber, wie wir Berliner wissen, so eine Transferunion bringt nur Spaß, wenn man auf der Empfängerseite steht!

Viel zu lang war die „schwäbische Hausfrau“ Maß aller Dinge. Sie sollte sich lieber an einer Nachbarin orientieren, die wegen Partylärms im Haus nicht schlafen kann, dann aus purer Not zum Mitfeiern vorbeikommt, anschließend die Bar leer trinkt und den Gastgeber unter die Couch knutscht.

Erst wenn südeuropäische Staaten die Deutschen verzweifelt fragen, ob sie nicht etwas sparen können, ist die EU wieder funktional. Natürlich stellt sich die Frage, wer das alles bezahlt. Nun, unsere Kinder nicht. Unsere Enkelkinder auch nicht. Das ist etwas für die Ur-Enkel. Und da unsere Kinderproduktion nicht für so wahnsinnig viele Ur-Enkel reicht, müssen wir uns welche aus dem Ausland borgen. Wir sollten daher Geflüchteten und Zuwanderern auf keinen Fall verraten, dass jeder von ihnen mit Betreten deutschen Bodens Schulden in Höhe von 50.000 Euro übernimmt…

Warum wir jetzt endlagern!

Mit der Atomenergie ist es ja so eine Sache: Nachdem man jahrzehntelang fröhlich Atom-Energie produzierte, fiel irgendwann auf, dass da haufenweise ziemlich abgebrannte und lang vor sich hin strahlende Brennelemente anfielen. Da das Volk aber „abgebrannte und ziemlich lang vor sich hin strahlende Elemente“ vom Dschungelcamp her kannte, war zunächst niemand groß alarmiert. Das ändert sich jetzt. Denn es gibt eine „weiße Landkarte“. Also keine Tabus bei der ergebnisoffenen Suche nach einem Endlager – vielen erschöpften Singles dürfte dieses Prinzip von Online-Partnervermittlungen wie „Elitepartner“ vertraut sein…

Auf der „weißen Landkarte“ sind auch Spandau und Reinickendorf verzeichnet – aber dass diese Stadtteile geeignete Endlager sind, wissen die vielen dort lebenden Rentner schon lange… Kreativität ist gefragt. Warum werden nicht auch mal die offensichtlichen atomaren Endlager in die Debatte mit einbezogen, etwa Xavier Naidoo, Attila Hildmann oder die QAnon-Verschwörer – schließlich sind die jetzt schon komplett verstrahlt…!

Angesichts der vorhersehbaren Widerstände gegen die Endlagerung könnten auch steuerliche Anreize geschaffen werden, um die Bevölkerung umzustimmen. So könnte schon ein Steuer-Rabbat von nur 100 Euro bei Aufnahme eines Atom-Müll-Fasses in den eigenen Keller reichen. Vorausgesetzt, der Rabbat gilt für eine Million Jahre und wird im Voraus ausgezahlt. Ganz Marzahn wäre Endlager – und steigende Mieten in Berlin kein Thema mehr!

Der Testsieger jedoch wird zweifelsohne der Flughafen BER. Angesichts ausbleibender Fluggäste ist es zudem die einzig sinnvolle Verwendung des Areals. Und die meisten der wenigen Passagiere können überdies dankbar sein, schon am Boden an die hohen Strahlungswerte in der Luft gewöhnt zu werden. Und spätestens bei der 400sten Eröffnungs-Verschiebung im Jahr 2648 hört sogar Atommüll auf mit dem Strahlen!

Warum wir uns jetzt nach Trump richten!

70.000 Dollar für seine Frisur hat Donald Trump von der Steuer abgesetzt. Was auf den ersten Blick wie eine Menge Geld erscheint, wird auf den zweiten verständlich: Schließlich belegen seine Tweets, dass ein Großteil seines Hirns aus hohler Luft besteht – und jeder, der schon mal versucht hat, einen vergilbten Eichhörnchen-Schwanz auf einem Luftballon zu befestigen, weiß, dass das ein ebenso schwachsinniges wie teures Hobby ist!

Die weltweite Steuer-Optimierungsbranche hingegen wird den Bericht der New York Times mit Interesse gelesen haben, demzufolge der amerikanische Präsident in 11 von 18 untersuchten Jahren gar keine Steuern zahlte und in den ersten beiden Jahren seiner Präsidentschaft je 750 Dollar. Kurz gesagt: Jede Kassiererin bei Aldi ist reicher als Donald Trump.

Oder aber nicht so gut in Steuervermeidung. Vielleicht wird „Donald der Gierige“ nicht als erster amerikanischer Kaiser in die Geschichtsbücher eingehen, sondern als Heiliger der Steueroptimierungs-Industrie, welcher es immerhin schaffte, den Verzicht auf die Entwicklung eines großen Anwesens im Staat New York als „Wohltätigkeit“ in Höhe von 21 Millionen Dollar von der Steuer abzusetzen. Das Gute daran: Wer es etwa in Kreuzberg schafft, nicht auf die Dielen seiner Altbauwohnung zu kacken, könnte das mithilfe einer „Donald-Klausel“ als „gelebten Denkmalschutz“ absetzen! Trump hat einen Nobelpreis verdient: immerhin ist es ihm gelungen, die Raum-Zeit-Krümmung auf eine fiskalische Ebene zu übertragen.

Dummerweise macht man sich beim Errichten einer Kleptokratie auch jede Menge Feinde. Seine Volksverhetzung steigert Donald so zur „Volksvergrätzung“. Hat sich der „Make Narzissmus Great Again“-Präsident das erste Mal noch wählen lassen, um einer Privat-Insolvenz zu entgehen – das zweite Mal muss er sich wählen lassen, um eine lange Gefängnisstrafe zu vermeiden!

Warum wir kein Eis mehr brauchen!

Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung ist für sieben Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, die reichsten zehn Prozent hingegen für über die Hälfte davon, sagt Oxfam. Ja, was hatten die denn erwartet? Dass die Reichen nur E-Autos fahren, aus dem Home-Office arbeiten und höchstens mal zum Yoga in den Garten gehen? Und wer kurbelt dann die Konjunktur an?

Zugegeben: Das Eis in der Arktis schmilzt schneller als in den hässlichsten Szenarien, aber kann man die reichsten zehn Prozent (und weltweit gehören wir Deutschen nun mal dazu) dafür verantwortlich machen, dass das Klima sich nicht an den Fahrplan hält? Was passiert denn mit der Lufthansa, wenn niemand mehr fliegt? Was mit BMW, wenn alle nur noch Tesla fahren? Und was wird aus der zweitgrößten Schweinefleisch-Exportnation, wenn alle nur noch vegane Smoothies inhalieren? Kann die Deutschland-Titanic dem Klima-Eisberg überhaupt noch ausweichen? Und an der Stelle ist es vielleicht ganz gut, wenn der Eisberg bereits geschmolzen ist…

Schließlich haben wir Deutschen unser gesamtes Geschäftsmodell auf eine größtmögliche Reduktion der Umwelt ausgerichtet, und in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts jeden ausgelacht, der irgendwas von nachhaltigen Technologien faselte. Da kann man jetzt doch nicht einfach CO2 um jeden Preis reduzieren! Das sollen lieber die machen, die sich ohnehin noch nicht an einen starken CO2-Ausstoß gewöhnt haben – schließlich sind die ja auch am stärksten betroffen, nicht wahr, Bangladesh?

Oder man beteiligt die ärmere Hälfte in einem fairen CO2-Handel: Jeder Mensch darf 2 Tonnen CO2 im Jahr verbrauchen. Wer mehr verbraucht, zahlt einen entsprechenden Ausgleich an die ärmere Hälfte der Menschheit… Damit auch die sich irgendwann Lufthansa-Flüge und BMWs leisten können – dann heißt es endlich: „Am deutschen Pesen soll die Welt verwesen…“

Warum wir ohne Arbeit gut leben können!

„Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können,“ sagte Friedrich Merz am Wochenende über die Verlängerung der Kurzarbeit in der Coronakrise. „Ah“, dachte ich bei mir, „da spricht der Vollblutpolitiker! Einer, der weiß, wie schnell man sich daran gewöhnt, ohne Arbeit zu leben.“ Obwohl Merz das natürlich vehement dementieren wird, und mir dann den berechtigten Vorwurf macht, ich hätte eben keine Ahnung, wie anstrengend es sei, so ein Privatflugzeug vollzutanken…

Komischerweise ist die Angst, dass man sich an ein Leben ohne Arbeit gewöhnt, nicht so wahnsinnig weit verbreitet. Die wenigsten Menschen denken auf dem Sterbebett: „Ich hab’s voll versemmelt – ich hätte mit mehr Arbeit leben müssen…!“

Es sind diese Art von Merz-Sprüchen, die beim Publikum den Verdacht wecken, sein Bewerbungsgespräch beim Finanzriesen „Blackrock“ sei etwa so verlaufen: „Was können Sie denn so, Herr Merz?“ „Äh, nix…“ „Tja, Sie haben Glück, es ist gerade ein Aufsichtsratsposten frei geworden…!“

Es gibt eine ganze Reihe von Wirtschaftszweigen, die daran gewöhnt sind, ohne Arbeit zu leben, etwa Banken… Um diesem Eindruck etwas entgegen zu setzen, sind einige von ihnen sehr aktiv geworden: Wie ein grade veröffentlichtes Datenleck belegt, haben diverse Großbanken für Groß-Kriminelle im großen Stil Geldwäsche organisiert – Groß und Groß gesellt sich scheinbar gern. Auch die Deutsche Bank war mit von der Partie, vermutlich aber nur, um sich noch mal „Groß“ zu fühlen, bevor sie wieder aufs Kerngeschäft reduziert wird – nämlich gewöhnungsgemäß ohne Arbeit zu leben.

Dabei wird Deutschland maßgeblich mitgestaltet von Menschen, die schon ihr ganzes Leben ohne Arbeit leben: reiche Erben! Da wird dann auch klar, was etwa Friedrich Merz von einem Kurzarbeiter unterscheidet – der Kurzarbeiter hat schon mal gearbeitet…

Warum wir Kanzler sind!

Als die Stuttgarter Polizei Ende Juni mit der Stammbaumforschung begann, um herauszufinden, ob bei einigen Krakeelern der Krawallnacht nicht doch ein heimlicher Migrationshintergrund vorlag, taten es ihr viele Deutschen gleich. Der Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet, fand auf diese Weise raus, dass er wahrscheinlich von Karl dem Großen abstammt. „Toll,“ wird der Armin gedacht haben, „Karl der Große, Donnerlüttchen! Das ist ja mal ne Empfehlung fürs Kanzleramt! Will nicht wissen, von wem der Markus Söder so abstammt. Heinrich der Löwe, mehr wird da nicht drin gewesen sein – und der Heinrich war nur Herzog, Über den man später herzog, weil er im Krieg nicht mitzog, und dann sein Herzogtum einzog.“

Damit offenbart der Laschet nicht nur seinen Migrationshintergrund (Karl wuchs in Frankreich auf) sondern auch seine genetische Abstammung von einem Völkermörder und Sachsen-Schlächter (5000 Sachsen wurden an einem einzigen Tag an der Aller geköpft). Doch noch jemand anders wurde hellhörig: ich! Auch mein Stammbaum geht auf Karl den Großen zurück. Ich bin zusätzlich mit Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen verwand, also allererste genetische Sahne, da kann der Jens Spahn einpacken mit seiner holländischen Oranje-Familie. Das wäre was: Der Armin und ich – Dream-Team Twenty-One!

Während ich vor meinem geistigen Auge schon unsere Doppel-Krönung vor mir sehe (Hallo, Reichsbürger, euer Traum wird wahr), gucke ich vorsichtshalber im Netz nach, ob wir nicht einen weiteren Nachkommen des großen Kaisers übersehen haben. Und siehe da: Es gibt in der Tat noch einen. Also, es sind, um ehrlich zu sein, viele. Sehr viele. Statistisch gesehen hat höchstwahrscheinlich jede*r Deutsche mit wenigstens einem deutschen Großelternteil Karl den Großen als Vorfahren! Eigentlich müssten also alle Deutschen als rechtmäßige Karls-Nachfolger dieses Land regieren… Am besten wäre eine Art kollektiver Team-Verwaltung – wie heißt das noch mal… Demokratie, richtig. Wie wäre es damit?

Warum die Wirtschaft Theater spielt!

Kennen Sie den Unterschied zwischen einer Bank und einem Theater? Im Theater werden gute Schauspieler schlecht bezahlt… Seit Jan Marsalek für Wirecard sogar Schauspieler inklusive der Erstellung falscher Bank-Kulissen engagierte, um für die Wirtschaftsprüfer von EY das „Wirecard hat noch 1,9 Milliarden Euro auf den Philippinen rumliegen-Drama“ aufzuführen, dürfte sich die Bezahlung allerdings etwas verbessert haben.

Das Theaterspiel begleitet die Menschheit schon seit ihrer Entstehungsgeschichte – es drückt die Sehnsucht unserer Gattung aus, im Gespielten eine Wahrheit zu sehen, die tiefer geht als das was man gemeinhin „tägliche Mühsal“ nennt. Der Erfolg von Trash-TV ist allerdings der Beweis, dass es auch eine Sehnsucht nach Lügen gibt, die erheblich flacher sind… Dem dadurch gesenkten Standard guten Schauspiels ist es vermutlich zu verdanken, dass die Wirtschaftsprüfer sich so lange von Wirecard einlullen ließen.

Die Skandalfirma ist vielleicht ein besonders auffälliger Fall, aber dass man in der Finanzwirtschaft auf massenhaft Schauspielerei stößt, wird schnell klar, wenn ein Bankberater sagt, dass er ein „wirklich tolles Finanzprodukt“ habe. Einer Studie der Universität Zürich zufolge hängt das mit dem Job zusammen: 200 Banker wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe schwor man auf „Banker-Verhaltensnormen“ ein, die andere auf private Normen. Anschließend warfen alle unbeobachtet 10 Mal eine Münze und sollten anschließend sagen, wie häufig sie „Zahl“ erhielten. Dadurch konnten sie ihr Einkommen um bis zu 200 US-Dollar steigern. Resultat: Die Banker, welche zuvor mit den Normen der Bank geimpft wurden, logen im Schnitt 16 Prozent häufiger als die „Privaten“. Bei anderen Berufsgruppen wurde diese Verzerrung nicht beobachtet – allerdings wurden keine Politiker getestet…

So erklärt sich auch der Unterschied zwischen einer Psychiatrie und einer Bank – in der Psychiatrie ist wenigstens der Direktor geistig gesund!

Warum wir gewarnt sein sollten!

Vorgestern war „nationaler Warntag.“ Also, hätte… Hätte sein sollen. War aber nicht. Weil das mit dem Warnen anscheinend nicht so einfach ist. Gerade in Berlin, wo sämtliche Sirenen abgebaut sind, fiel es dem Alarm schwer – dabei hatte ich mich schon so drauf gefreut. Schließlich handelt es sich um den Sound meiner Kindheit. Jede Woche heulte es und wir mussten zu zweit das Klassenzimmer verlassen. Manchmal gab es auch Atombombenalarm, da durften wir uns unter den Tischen verstecken – die Älteren mussten sogar noch die Aktentasche über den Kopf halten, aber wir Jüngeren wussten, dass das Quatsch war. Nur Schulpulte schützen nachhaltig vor Atombomben…

Dabei gäbe es so viel, vor dem wir in Deutschland warnen sollten. Etwa vor der zunehmenden Gefühlskälte, die in ganz Europa zu der politischen Weigerung führt, die obdachlosen Flüchtlinge aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria aufzunehmen. Oder vor der sich ausbreitenden Ungleichheit der Vermögen. Oder dem schwindenden Vertrauen der Menschen zueinander. Oder vor der zunehmenden Desinformation, also der Verwirrung im Frontallappen des menschlichen Hirns.

Auf der Seite „dubisthalle.de“ fand ich folgende, bezeichnende Kommentarabfolge: Peter: „In der nördlichen Innenstadt war auch keine Sirene zu hören.“ Darauf ein User namens „Sachverstand“: „Es gibt in Halle keine einzige Sirene mehr.“ Peter: „Ja, aber in der nördlichen Innenstadt war keine zu hören.“ Sachverstand: „Deshalb, weil es im Stadtgebiet KEINE mehr gibt.“ Peter: „Die nördliche Innenstadt gehört zum Stadtgebiet.“ Sachverstand: „Eben und im GESAMTEN Stadtgebiet gibt es KEINE EINZIGE SIRENE mehr. Ist das so schwer zu begreifen?“ Peter: „Aber es kann doch nicht nur die nördliche Innenstadt betroffen sein.“ Doch, möchte man sagen, es ist nur die nördliche Innenstadt betroffen. Vorausgesetzt, damit ist ein Verständnis-Areal im Frontallappen gemeint…

Warum wir so ungern waschen!

Die Anekdote will es, dass Männer ihre Wäsche gern in zwei Haufen sortieren: einen dreckigen Wäschehaufen – und ein dreckiger Haufen, der noch mal getragen werden kann. Nach diesem Prinzip sortiert die Bundesrepublik scheinbar auch die Geldwäsche hierzulande. Resultat: Deutschland ist eines der wichtigsten Geldwäscheparadiese weltweit.

Immer wieder gern mit dabei: die Deutsche Bank, wo die Ermittler so häufig ein und ausgehen, dass man ihnen eigentlich einen Hausschlüssel mitgeben sollte, damit sie nicht andauernd klingeln müssen. Bis 2015 war die Deutsche Bank Korrespondenzbank für eine Filiale der „Danske Bank“ in Estland, welche über die Deutschen 150 Milliarden Euro korrupter postsowjetischer Eliten „wuschen“. Korrespondenzbanken erledigen Bankgeschäfte für andere Banken in Ländern, wo diese selbst nicht tätig sein können. Wozu das in der EU, die ja banktechnisch als Einheit gilt, nötig ist, und weshalb eine dänische Bank dann unbedingt auf eine deutsche gerade im Baltikum zurückgreift (kleiner Reichsbürgeranfall???), wissen nur die Götter.

Die Banken haben allerdings (sogar die Deutsche!) Besserung gelobt. Davon sind andere Bereiche im Geldwaschsalon noch weit entfernt. Im Immobiliensektor gilt es höchstens als Beispiel gelungener Integration, wenn ein Taxifahrer aus dem Libanon ohne Deutschkenntnisse eine Luxuswohnung im Grunewald bar bezahlt.

Die deutsche Wasch-Polizei, das FIU (Finance Intelligence Unit), ist interessanterweise nicht mit Polizei-Kompetenzen ausgestattet, sondern beim Zoll angesiedelt. Das ist in etwa so sinnvoll, als würde man die Aufklärung eines Bankraubs einem Schamanen übertragen. Aber vielleicht wollen Politiker, die mehrheitlich nicht daran interessiert sind, ihre Nebeneinkünfte offenzulegen, auch bei anderen lieber nicht so genau wissen, wo das Geld herkommt…

Die Niederlande haben übrigens angekündigt, ihre Rolle als Steuervermeidungsparadies, wo sie bislang in der EU-Champions League ganz vorn mitspielten, niederzulegen und zu einem Champion der Steuergerechtigkeit aufzusteigen. Das sollte uns Deutschen ein Beispiel sein – oder wollen wir uns schon wieder von Holländern besiegen lassen?

Warum wir grün investieren!

Ab dem nächsten Jahr sollen Bankberater verpflichtet werden, ihren Kunden auch nachhaltige Geldanlagen anzubieten. „Bitte, was?“ werden Sie jetzt verwirrt fragen. Nachhaltige Geldanlagen – Sustainable Investments, wie die Experten sagen. „Ach“, denken Sie, „dann ist ja alles klar…“ Leider nicht. Weil kaum jemand weiß, was wirklich nachhaltig ist… Wenn die Firma Shell ihren CO2-Ausstoss senkt und auf einmal klimaneutral ist (keine Sorge, das ist ein sehr theoretisches Beispiel), dann spart sie sehr viel mehr ein als etwa eine kleine Windkraftfirma – ist das dann nachhaltig oder nur der Versuch, den ruinösen Öl-Handel am Leben zu halten?

Um nachhaltiges Investieren zu vereinfachen, gibt es eine Abkürzung: ESG – das müssen Sie als nachhaltiger Investor kennen. Es steht für Ecological (Umwelt), Social und Governance (Lenkungsform). Firmen oder Fonds legen einen sogenannten „ESG“-Filter über ihre Firmenpolitik und Anlagen, und husch – schon ist das nachhaltige Investment geboren. Wem ESG nicht reicht, der kann auch SRI (soically responsible Investment) machen. Oder SDG (sustainable Development Goals) festlegen. Oder GBP (Green Bond Principles) anwenden. Nicht zu vergessen das GIIN (Global Impact Investing Network), GES (Global Engagement Services), PRI (Principles of Responsible Investment), TCFD (Task Force for Climate related Financial Disclosure), GABOV (Global Alliance for Banking on Values) und natürlich das wunderbar deutsche CSR-RUG (Corporate Social Responsibility – Richt-Linien-Umsetzungsgesetz).

ESG muss sich durchsetzen, und zwar in allen Lebensbereichen. In ein paar Jahren werden Kriminal-Prozesse so laufen: „Angeklagter, warum haben Sie Ihre Schwiegermutter mit dem Messer erstochen?“ „Wegen ESG. Eine Pistole braucht Blei, Blei ist ein Rohstoff, das wäre umweltschädlich. Also E. Dann das S: Meine Tat war sozial – die Gemeinschaft muss der miesen Vettel keine Rente mehr zahlen. Schließlich G – ich habe sie kurz vor ihrem Tod zum ersten Mal richtig nett angelächelt, sie starb mit einem Lächeln auf den Lippen.“

Warum wir so deutschfeindlich sind!

132 Straftaten gab es im letzten Jahr – Straftaten, die unter dem seit 2019 geltenden Gütesiegel „deutschfeindlich“ geführt werden. Sicher, im Spektrum der politisch motivierten Straftaten von insgesamt etwa 44.000 und über 10.000 ausländerfeindlicher und antisemitischer Vergehen scheint die Kategorie „deutschfeindliche Verstöße“ verschwindend gering, was auch mit ihrer ausgemachten Schwachsinnigkeit zu tun hat.

Der Bundesinnenminister hatte es für nötig befunden, den in rechten Kreisen populär gewordenen Kampfbegriff „Deutschenfeindlichkeit“ als Hommage an die AfD in die Statistik einfließen zu lassen. „Deutschfeindlichkeit“ ist der verzweifelte Versuch der Mehrheitsgesellschaft, auch mal Opfer zu sein. Nun ist es sicher nicht angenehm, von einem „ausländisch“ aussehenden Menschen als „deutsches Schwein“ tituliert zu werden. Allerdings ist das eine Beleidigung, die geahndet werden kann. Sogar wenn das Wort „deutsch“ fehlt.

Kompliziert wird es, wenn der Beleidigende auch deutscher Staatsbürger ist und somit Teil der Gesamtgruppe „dummer, deutscher Schweine“. Oder wenn ein türkischer Migrant einen schwarzen Deutschen beleidigt – ist das rassistisch oder „deutschfeindlich“ oder beides? Die Statistik weist genug absurde Fälle auf: Die AfD in Chemnitz beklagte den Diebstahl von vier Plakaten als „deutschfeindliche Straftat“… Ein Berliner Schüler dichtet seinen Rektor an: „Halt’s Maul, du Dreck, du Schwein! Ich bin von Allah erschaffen und du bist klein!“ – man könnte das auch als Annäherung ans „Volk der Dichter und Denker“ verstehen…

Vollends absurd wird der Begriff der „Deutschfeindlichkeit“, also der „gegen Deutsche und Deutschland gerichteter Vergehen“, wenn man bedenkt, dass Adolf Hitler für den Tod von etwa 10 Millionen Deutschen und gigantischen deutschen Gebietsverlusten verantwortlich ist und neben seiner Karriere als Antisemit posthum noch wegen „Deutschfeindlichkeit“ verurteilt werden müsste. Am „deutschfeindlichsten“ sind also immer noch die Deutschen – willkommen im „Schilda der Kriminalitätsstatistik“!

Wöfür wir demonstrieren sollten!

Die Berliner Versammlungsbehörde hatte die Demonstration von Corona-Maßnahmen-Kritikern am Wochenende verboten. Wenn die Sicherheit der Demonstrierenden und Unbeteiligter gefährdet ist, ist so etwas anscheinend möglich…

Unmöglich ist allerdings das flinke Mundwerk des Innensenators, der „nicht bereit ist, dass Berlin als Bühne für Corona-Leugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten missbraucht wird.“ Der Satz war in etwa so schlau wie das Löschen eines Hausbrands mit Petroleum – schließlich ist die Mehrheit der Demonstranten nicht rechtsextrem. Zumal „Reichsbürger und Rechtsextremisten“ eine Tautologie ist, eine unnötige Dopplung – so wie „schwarzer Rappe“, „kopflose Corona-Politik“ oder eben „durchgedrehter Innensenator“.

Die meisten Demonstrationsteilnehmer sind auch keine „Corona-Leugner“ – sie halten das Virus durchaus für real, aber nicht für so gefährlich, dass sie freiheitseinschränkende Maßnahmen gerechtfertigt finden. An der Stelle sollte eine faktenbasierte Diskussion ansetzen – leider zeigt Herr Geisel, dass auch er überreagiert. Jetzt wird auf Seiten der Veranstalter wieder die Opferkarte gespielt, und in sozialen Medien überschlagen sie sich mit Hinweisen auf eine „Corona-Diktatur“.

Natürlich leben wir in einer Diktatur. Die Diktatur der Mehrheit über die Minderheit – auf deutsch: Demokratie! Ein beschissenes System, keine Frage, aber immer noch beste aller beschissenen Systeme. Ich persönlich bin eher für eine Art wohlwollender Monarchie, vorausgesetzt: ich bin König, klar. Solange das keine Mehrheit findet, sollten wir die Diktatur der Mehrheit erdulden. Wenn die Minderheit sagt, wo es lang geht, nennt man das „Oligarchie“ – nachvollziehbarerweise kommt eine große Anzahl der Desinformationen zum Thema Corona (und anderer Verschwörungstheorien) aus Russland…

Da hilft nur das Spiel „Differenzierung“. Kein besonders aufregendes Spiel, aber wenn ich erst König bin, wird es Gesetz!

Warum wir jetzt gar nichts mehr tun!

Möchten Sie gern 1600 Euro für Nichtstun erhalten? Die HfBK in Hamburg vergibt drei solcher Stipendien, auf die man sich bewerben kann. Viele von ihnen werden jetzt ins Nachdenken kommen: 1600 Euro für Nichtstun – in den meisten Führungsetagen wird das doch mit einem Vielfachen davon vergütet…

Nun hat Nichtstun keinen besonders guten Ruf: Nichtstun führt zu nichts schaffen; wer nichts schafft, wird schnell ein Nichtsnutz – und wer keinen Nutzen hat, ist gesellschaftlich untendurch. Oder Investmentbanker. Dabei ist Nichtstun gar nicht so leicht. Im Buddhismus gibt es Mönche, die das mehrere Leben lang üben – das einte den Buddhismus mit deutschem Beamtentum.

Nichtstun ist etwas, das diese Gesellschaft um jeden Preis vermeiden möchte. Wenn etwa entspannt wird, dann bitte mit Absicht und Ziel. Yoga für die Entspannung, Entspannung für Ausgeglichenheit und Gesundheit, Gesundheit für bessere Performance, am besten gekoppelt mit Achtsamkeit und Meditation für erhöhte Leistungsfähigkeit. Absichtslosigkeit ist das neue Kapital-Verbrechen des 21. Jahrhunderts.

Auch der deutsche Beamte ist mittlerweile weit weg vom Ideal des Nichtstuns und genauso gestresst wie alle anderen auch – hat aber dafür ein sicheres Einkommen. Was man von Hotelangestellten, Reiseveranstaltern und Piloten nicht mehr behaupten kann…

Vergeben wird das Stipendium im Rahmen einer Kunst-Ausstellung namens „Schule der Folgenlosigkeit“. Hätte man mich gefragt, müsste ich antworten, dass die „Schule der Folgenlosigkeit“ ein Synonym für meine gesamte Schulzeit ist – aber mich hat halt keiner gefragt…

Viele Menschen steuern im Zuge der Corona-Krise auf eine Intensiv-Phase des Nichtstuns zu. Wobei man Nichtstun nicht mit panischem Aktionismus verwechseln darf. Nichtstun ist kreative Unterlassung bis hin zur Einstellung jeglicher Gedankentätigkeit. Der Bundestag macht es vor. Siehe Digitalisierung, Energiewende, Steuerreform. Daher mein Vorschlag für den Hauptstipendiaten: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, dessen kreatives Nichtstun bei der Ausländermaut die gelungenste Shakespeare-Inszenierung der letzten Jahre darstellt: Viel (teurer) Lärm um nichts!

Warum der Karneval stattfindet!

Karneval? Geht gar nicht dieses Jahr, findet Gesundheitsminister Spahn und löst damit eine Welle der Empörung aus. Jecken speziell im Westen finden, dass es jetzt wirklich reicht. Urlaub gestrichen – kann man verknusen. Antalya war ja schon im letzten Jahr nicht mehr das, was es mal war, schon wegen Erdogan und so; jetzt ist auch noch die Hagia Sofia wieder ne Moschee, das ist doch wie Tiramisu mit Döner, nein danke… Oktoberfest abgesagt – geht auch noch. Saufen ohne Tusch ist eh unkultivierter Quatsch… aber Karneval, das Fest der Feste, wo man mal richtig die Sau raus- und den Virus reinlassen konnte in bester Heinsberger Manier, das geht ja nun mal gar nicht.

Karneval – das war immer schon Ausnahmezustand, der Aufstand der Unanständigen, wo man nur mit Perücke und hinreichend Bier bewaffnet durch die Stadt ziehen und andere Besoffene beiderlei Geschlechts hemmungslos befummeln konnte, um so der Geburtenrate einen Turbo zu verpassen… (9 Monate nach Karneval steigt die tatsächlich in den Karnevals-Hochburgen an) – wenn der jetzt nicht mehr stattfindet, dann ist dieses Land womöglich wirklich am Ende.

Wirklich? Immerhin ist Karneval das Fest der Verkleidung, der Masken… Und Masken sind momentan schwer angesagt. Wenn man sich den Zirkus ansieht, der rings um diese neue Verkleidung aufgemacht hat, mit fanatischen „Masken-Faschos“, noch fanatischeren Anti-Masken-Nazis und der großen verwirrten Menge irgendwo dazwischen… Wann hat es das je gegeben, dass der Karneval sich ganzjährig über das ganze Land verbreitet und alle zu Jecken werden lässt? Politiker, Virologen, Corona-Skeptiker – jeder agiert närrischer als der andere. Der Karneval fällt nicht aus – er hat schlicht das ganze Land erobert. In der Aufgeregtheit, mit der die Debatte zwischenzeitlich geführt wird, ist allerdings leider das oberste Narrengesetz verloren gegangen: „Jede Jeck es anders…“

Warum wir jetzt Gassi gehen müssen!

Ich kriege immer einen leichten Schreck, wenn Menschen sagen, dass „Tiere die besseren Menschen sind“. Schließlich öffnet sich mit jeder Verallgemeinerung das Tor zur Hölle ein wenig weiter… Was zum Teufel meinen sie damit? Meinen Sie Katzen, die noch ein wenig mit halbtoter Beute spielen, um sicherzustellen, dass sie auch wirklich tot ist? Schimpansen-Männchen, die den Nachwuchs einer begehrten Schimpansen-Dame töten, um sie wieder paarungsbereit zu machen? Delfine, die das auch tun und die Weibchen anschließend zu Gangbangs mit mehreren Männchen zwingen? Und bevor es jetzt heißt, dass das ein klassisch männliches Problem wäre: Schimpansen-Weibchen wurden auch schon beim Infantizid (Kindsmord) beobachtet.

Menschen, die sich unter der obigen Maxime solcherlei Verhalten abgucken, werden vor Gericht Schwierigkeiten haben: „Angeklagter, warum haben sie das Kind ihrer Geliebten getötet und sie anschließend mit einer Gruppe Freunde vergewaltigt?“ „Ich wollte sein wie ein Delfin – Tiere sind die besseren Menschen!“ Unwahrscheinlich, dass diese Verteidigung Erfolg hat.

Tiere sind Tiere – jeder Vergleich mit Menschen ist irreführend. Vermenschlichung und Verniedlung von Tieren bringt uns nicht weiter. Hunde wedeln begeistert mit dem Schwanz, wenn ihr Herrchen oder Frauchen nach Hause kommt. Männer, die selbiges versuchen, können allerdings nicht mit der gleichen Zuneigung rechnen…

Jetzt plant Landwirtschaftsministerin Klöckner, einen „Gassi-Zwang“ einzuführen. Hunde müssen zwei Mal am Tag mindestens eine Stunde ausgeführt werden – viele vor dem Fernseher vergessene Kinder dürften sich insgeheim wünschen, jene Aufmerksamkeit zu erhalten, die einem Pudel jetzt per Gesetz zu Teil wird…. Auch wenn Tiere nicht immer die besseren Menschen sind – manchmal reicht es schon, wenn Menschen bessere Tiere wären…

Warum wir den Shitstorm lieben!

Ein Werbefoto zeigte ein kleines Mädchen mit Banane in der Hand an den Kühlergrill einer hochmotorisierten Audi-Limousine gelehnt. Ein moderater Shitstorm brach Anfang August los – Kind vor Kühler weckt nicht immer nur gute Assoziationen… Audi entschuldigte sich – hatte aber massenhaft kostenlose PR…

Zerstör-Videos schreckten vor einigen Jahren den Kaffeemaschinen-Hersteller „Keurig“ (Teil des deutschen Imperiums der Familie Reimann) auf – die Firma hatte zuvor Werbung in einer Fox-TV-Show („Trumps Lieblings-Sender“) ausgesetzt, nachdem der Moderator den sexuellen Missbrauch eines republikanischen Abgeordneten an sehr jungen Damen relativiert hatte. Konservative Fans zerstörten daraufhin publikumswirksam ihre Kaffeemaschinen – „man wird ja schließlich noch junge Dinger anmachen dürfen, hallo??…“

Die Folge? Die Firma Keurig beherrschte tagelang die Schlagzeilen, und viele liberale Amerikaner dachten: „Schau – so eine politisch korrekte Firma, vielleicht sollte man der mal unter die Arme greifen…“ Und die Keurig-Zerstörer brauchten natürlich auch neue Kaffee-Automaten – Abwrackprämie auf Amerikanisch!

Das Marketing-Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ wurde für die Sportmarke „Nike“ Kalkül. Ein Werbefilm zeigte schwarze Sportler um den Football-Star Colin Kaepernick in der Hauptrolle. Kaepernick war dafür bekannt, aus Protest gegen Polizeigewalt bei der Nationalhymne im Stadion niederzuknien. Daraufhin verbrannten haufenweise Rechte und Rechtsextreme ihre Nike-Schuhe – was zu einer Nike-Umsatzsteigerung von sechs Milliarden Dollar führte…

Ein Shitstorm ist ein wenig wie Rodeo-Reiten – oder Beschwerden bei der Deutschen Bahn: Es fühlt sich erst mal unbequem an, aber wenn man den Haken raushat, wird es lukrativ… Die Wiener Kabarettistin Lisa Eckhart wurde unsinnigerweise von einem Hamburger Literaturfestival wieder ausgeladen, weil sich Einige an ihrem Humor störten – PR-trächtig zur Veröffentlichung ihres Debüt-Romans… CO2-freundliche Umsatzsteigerung durch Zuhausebleiben – kennt man sonst nur von Amazon!

Eine PR-Meisterleistung vollbrachte mein Freund und Kollege Florian Schröder, der im NDR die Corona-Maßnahmen kritisierte, daraufhin letzte Woche zu einer Anti-Corona-Demo eingeladen wurde, wo er sich zu Maskentragen und Abstand bekannte – und prompt ausgebuht wurde. Bravo – Florian!