Warum mieten jetzt richtig lohnt!

„Der Negativ-Zins bricht Sparern das Genick!“ heißt es gern. Schließlich hat Sparen in Deutschland noch vor etablierten Kirchen den Rang einer Religion. „Du sollst um jeden Preis sparen!“ heißt das erste Gebot. „Im Falle sinkender Zinsen ist eine Trauermiene zu tragen und in lautes Wehklagen auszubrechen“ – das zweite. Angesichts drohenden Genickbruchs herrscht Alarmstimmung im Sparerland. Auch ich erhielt von meiner Bank einen Drohbrief und brach in lautes Wehklagen aus, als ich die folgenden Zeilen sah: „…sehen uns gezwungen, ein Verwahrentgelt in Höhe von 0,5 Prozent zu erheben, blabla…“

Doch dann geriet ich ins Grübeln. Wenn man sein Geld zur Bank bringt, leiht man es ihr doch eigentlich. Jetzt jedoch kann man für geliehene Dinge ein Verwahrentgelt kassieren. „Das kann ja auch positive Auswirkungen haben“, erklärte ich meinem Nachbarn, von dem ich mir sechs rohe Eier geliehen hatte, als ich ihm einen Sechser-Karton wieder zurückbrachte, „ein Ei behalte ich jetzt als Verwahrentgelt.“ Sprachs und entnahm ein Ei, das ich mir in die Jackentasche steckte. Im Nachhinein betrachtet hätte ich auf den selbstzufriedenen Jackentaschen-Schlag beim Anblick seines verdutzten Gesichts vielleicht verzichten sollen…

Der Negativzins muss nur konsequent umgesetzt werden. Auch der Mietzins ist ja nur ein Zins, der bislang positiv war. Die ausstehende Anpassung könnte folgendermaßen eingefordert werden: „Sehr geehrter Vermieter, aufgrund der außergewöhnlichen Situation sehe ich mich jetzt gezwungen, auf die mir überlassene Immobilie, die ich bereits seit einigen Jahren sicher für Sie verwahre, ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent per anno zu erheben. Bei einem derzeitigen Wert von 500.000 Euro (geschätzten Wert einsetzen) handelt es sich jährlich um 2500 Euro (dito), also 208,33 pro Monat, die ich abzüglich der Betriebskosten auf meinem Konto zum Monatsanfang erwarte. Bei Nichterfüllung behalte ich mir vor, die Wohnung in meiner Verwahrung verwahrlosen zu lassen/besonders destruktiven Elementen zu übergeben/abzufackeln (Zutreffendes ankreuzen). Hochachtungsvoll, blabla…“

Deutsche Wohnen, Vonovia und Co werden darum betteln, endlich enteignet zu werden!