Warum wir auf Patente pfeifen!

Es ist selten, dass gerade aus den USA eine Breitseite auf den Kapitalismus abgefeuert wird, aber im Fall der Aussetzung des Patentschutzes auf Impfstoffe scheint genau das der Fall zu sein. Dementsprechend hysterisch fallen auch die Reaktionen hierzulande aus.

Schreckliche Szenen bahnen sich an: Die Pharma-Branche tritt komplett in den Streik, niemand entwickelt mehr Medikamente, Eltern verbieten ihren Kindern das Studium der Pharmakologie unter Androhung der Enterbung, und an Straßenecken betteln arbeitslose und ausgemergelte Pharmazeuten um einen Schuss BionTech. „… dann ist das nicht mehr mein Land,“ ergänzt Angela Merkel, und die forschenden Pharma-Unternehmen tragen schwarze Särge durch die Innenstädte, auf denen „Innovation“ steht…

Leider haben Pharma-Riesen kaum Alternativen – immerhin erzielen sie im Schnitt 26 Prozent Rendite auf das eingesetzte Kapital. Mehr kann man nur im (illegalen) Drogenhandel erwirtschaften. Sollen sie jetzt in die Autobranche wechseln, die im Schnitt nur noch sieben Prozent verdient? Kommt jetzt das mit BionTech betriebene Forschungs-Verweigerungs-Mobil, das Fo-Ve-Mo („der mit dem Pieks!“), in dem das Wort „Einspritz-Motor“ eine völlig neue Dimension erhält?

Nun ist selten alles schwarz und weiß – auch im Fall der Pharma-Unternehmen gibt einige Argumente, die gegen eine völlige Patentschutz-Freigabe sprechen (China könnte rasant aufholen in einem Markt, in dem Europa noch führend ist. Und ob die Freigabe sofort die nötigen Produktionskapazitäten freisetzt, ist auch fraglich). Aber das Big-Pharma-Geschäftsmodell, das mit Fehlanreizen gepflastert ist wie die CDU mit Masken-Deals, das könnte eine Organisations-Restrukturierung ganz gut vertragen.