Warum wir abschreiben!

Der diesjährige Bundestagswahlkampf scheint sich darin zu erschöpfen, „Wahlkrampf-Noten“ zu vergeben für „schlecht abschreiben“ – oder „Plagiat“, wie es feinbürgerlich heißt. Wobei das Wort „Plagiat“ natürlich auch gestohlen ist, es kommt über das Französische und Lateinische ursprünglich vom griechischen „plagios“ (versteckt, unredlich) – und jeder, der das Wort verwendet, müsste den alten Griechen eigentlich Tantiemen zahlen – oder zumindest gestohlene Kulturgüter zurückerstatten…

Nachdem die Ghostwriter von Annalena Baerbocks Werk „Jetzt“ etwas geschlampt hatten, was ihr den Ruf einbrachte, vom Lebenslauf bis hin zur Steuererklärung so ziemlich alles erfunden zu haben (inklusive der grünen Farbe auf den 100 Euro-Scheinen), gerät nun auch Armin-„Wegen-einer-lumpigen-Flut-ändere-ich-doch-nicht-die-Politik“-Laschet ins Plagiats-Visier. Wenigstens hat der Armin nicht auch noch schuldbewusst irgendwelche Weihnachtsgelder nachversteuert – er hat die Einnahmen fürs Buch mit dem Titel „Die Aufsteigerrepublik“ (muss es nicht „die Aufschneider-Republik“ heißen?) gleich ganz verschwiegen, das Honorar jedoch als Spende angesetzt! Irgendwas muss ihn ja zum „Aufsteiger“ qualifizieren…

Bei der zweifelsohne unterhaltsamen Diskussion, ob die Kandidat*innen nun ein Plagiat oder eher ein „Plagiätchen“ erstellt haben, und ob der Armin seinen Wahlkampf statt mit bewährter Ideenlosigkeit vielleicht doch ein wenig mit „Inhalten“ unterfüttern sollte, gerät leider aus dem Fokus, dass es um das Regieren einer wichtigen Volkswirtschaft während einer Pandemie und einer Klimakatastrophe geht. Keine ganz nebensächliche Angelegenheit also, für die man sich schon ein paar politische Programmpunkte wünscht.

„Gute Künstler kopieren, große Künstler klauen“, soll Picasso einst gesagt haben. Was den Wahlkampf angeht, wären erheblich mehr Plagiate sinnvoll! Erfunden, kopiert, geklaut – egal. Hauptsache, es gibt überhaupt Ideen!