Warum wir gewarnt sein sollten!

Vorgestern war „nationaler Warntag.“ Also, hätte… Hätte sein sollen. War aber nicht. Weil das mit dem Warnen anscheinend nicht so einfach ist. Gerade in Berlin, wo sämtliche Sirenen abgebaut sind, fiel es dem Alarm schwer – dabei hatte ich mich schon so drauf gefreut. Schließlich handelt es sich um den Sound meiner Kindheit. Jede Woche heulte es und wir mussten zu zweit das Klassenzimmer verlassen. Manchmal gab es auch Atombombenalarm, da durften wir uns unter den Tischen verstecken – die Älteren mussten sogar noch die Aktentasche über den Kopf halten, aber wir Jüngeren wussten, dass das Quatsch war. Nur Schulpulte schützen nachhaltig vor Atombomben…

Dabei gäbe es so viel, vor dem wir in Deutschland warnen sollten. Etwa vor der zunehmenden Gefühlskälte, die in ganz Europa zu der politischen Weigerung führt, die obdachlosen Flüchtlinge aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria aufzunehmen. Oder vor der sich ausbreitenden Ungleichheit der Vermögen. Oder dem schwindenden Vertrauen der Menschen zueinander. Oder vor der zunehmenden Desinformation, also der Verwirrung im Frontallappen des menschlichen Hirns.

Auf der Seite „dubisthalle.de“ fand ich folgende, bezeichnende Kommentarabfolge: Peter: „In der nördlichen Innenstadt war auch keine Sirene zu hören.“ Darauf ein User namens „Sachverstand“: „Es gibt in Halle keine einzige Sirene mehr.“ Peter: „Ja, aber in der nördlichen Innenstadt war keine zu hören.“ Sachverstand: „Deshalb, weil es im Stadtgebiet KEINE mehr gibt.“ Peter: „Die nördliche Innenstadt gehört zum Stadtgebiet.“ Sachverstand: „Eben und im GESAMTEN Stadtgebiet gibt es KEINE EINZIGE SIRENE mehr. Ist das so schwer zu begreifen?“ Peter: „Aber es kann doch nicht nur die nördliche Innenstadt betroffen sein.“ Doch, möchte man sagen, es ist nur die nördliche Innenstadt betroffen. Vorausgesetzt, damit ist ein Verständnis-Areal im Frontallappen gemeint…